Kindsmissbrauch: Der Sonderfall kath. Kirche

Es mehren sich in Leserbriefen und İnterviews die Stimmen aus Kirchenkreisen, welche sich über das grosse Medieninteresse, den Medienrummel beklagen. Als Argument führen sie an, die Gesellschaft falle über die Kirche her, auf Grund des Fehlverhaltens Einzelner werde eine Kollektivschuld suggeriert usw.

Dies ist ein Ablenkungsmanöver, denn die Probleme liegen anders :

1. Niemand bezichtigt die Priester kollektiv dieser Untaten. Viele monieren jedoch die Art und Weise, wie die İnstitution Kirche mit derartigen Faellen umgeht. Es handelt sich also um eine institutionelle Kritik.

2. So lange es so ist, dass auch die bischöflichen Richtlinien von 2002 bei Verdacht auf Sexualdelikte zuerst eine kircheninterne Untersuchung vorsehen und darauf hin allenfalls weltliche Instanzen einbeziehen, so lange schafft die kath. Kirche für sich einen Sonderstatus. Diesen  mit dem Argument Opferschutz zu begründen, entbehrt jeder Logik und ist Umkehrung der Realitaeten. Hier werden im Prinzip Taeter und letztlich die İnstitution geschützt.

Die folgende Passage eines İnterviews mit Hans Langendörfer, Sekretaer der Deutschen Bischofskonferenz, zeigt, dass dieser Punkt tatsaechlich noch viel zu reden geben wird und muss:

SPIEGEL ONLINE: Die Leitlinien zementierten aber auch die Praxis, dass ein Fall zunächst kirchenintern behandelt wird – und womöglich nie öffentlich wird.

Langendörfer: Die Leitlinien legen fest, dass jede Anzeige oder Verdachtsäußerung umgehend geprüft wird. Dabei gilt die Sorge der Kirche zuerst dem Opfer. Bei Erhärtung des Verdachts wird auch eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet. Wir legen großen Wert darauf, dass bei der Aufklärung die Staatsanwaltschaft ihren Pflichten nachkommen kann. Sexueller Missbrauch Minderjähriger ist nicht nur nach staatlichem, sondern auch nach kirchlichem Recht eine Straftat. Die Leitlinien ermöglichen ein einheitliches, konsequentes und transparentes Vorgehen. Dazu gehören auch menschliche, therapeutische und seelsorgliche Hilfsangebote an die Opfer und ihre Angehörigen. Es ist auch finanzielle Unterstützung im Einzelfall möglich. Quelle

Klartext: Es besteht der begründete Verdacht, dass sich ein Geistlicher sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat. Nach den Richtlinien von 2002 müsste dies unverzüglich dem Beauftragten in Übergriffsfragen und dem zustaendigen Bischof mitgeteilt werden.

Wenn man nun den bisherigen Verlauf einzelner Faelle anschaut, ist es offenbar das Ziel der Beauftragten, mögliche Taeter zu Gestaendnissen und Selbstanzeigen zu bringen. Und wenn nicht? Wann zeigt die Kirche ihre eigenen Leute an? Wird sie das? Kann sie das, oder kann sie das nicht?

So lange diesbezüglich keine klare Linie sichtbar wird, laeuft die kath. Kirche Gefahr, sich auf einem ganz ganz schmalen Grat zu bewegen. Links Aufklaerung mit allen Konsequenzen, rechts Vertuschung und/oder Verhinderung – Behinderung der  Arbeit der zivilen Untersuchugsorgane.

Diese Schwachstellen sind es, welche die kath. Kirche in den letzten Jahren zu diesem Thema in allergrösste, um nicht zu sagen existenzielle Schwierigkeiten gebracht haben und weiterhin bringen werden..

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