Türkei: Ein Beitrag gegen Vorurteile

Mit schöner Regelmaessigkeit sehe ich mich als in der Türkei Lebender mit bestimmten Cliches aus Europa konfrontiert, bei denen ich mir jeweils überlege, ob es Sinn macht, darüber zu diskutieren.

Eines davon ist die Unterdrückung der Frauen in der Türkei und bevor jetzt die Ersten zu schreien beginnen, sollen sie den folgenden Satz auch noch lesen: Es gibt sie, die Unterdrückung, es gibt sie offensichtlicher  und wohl auch haeufiger als in Europa, im Extremfall wird Frau als Ware definiert. Ja, das gibt es, aber nicht Flaechen deckend, nicht als Standard. Dasselbe gilt übrigens auch für die pauschalisierend geführt Kopftuchdiskussion… deswegen finde ich, man darf ruhig auch von dem Leben in der Türkei berichten, welches nicht aus Gewalt und Unterdrückung besteht..

Man sollte sich zuerst  daran gewöhnen, dass das Kulturverstaendnis  ein Anderes ist, eine Partnerschaft nicht einfach eine Abmachung zwischen zwei Personen, sondern eine erweiterte Familienangelegenheit, ja eine Sache des Dorfes ist. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die von uns in Europa vielfach klassisch gelebte Zweierbeziehung ist nicht weltweit das Mass der Dinge..

So lasse ich zur folgenden Geschichte in Kurzform Bilder und einen Film sprechen: Zwei junge Leute heiraten, Verlobung war vor mehr als 15 Monaten, dann absolvierte der Braeutigam seinen Militaerdienst. Nun wurde geheiratet.

Samstags Familienabend=Dorfabend im Hause des Braeutigams, dasselbe im Hause der Braut, rund 30 Kilometer entfernt. Eingeladen alle Einwohner des jeweiligen Dorfes.

Sonntag: Wieder versammeln sich die Einwohner und Angehörigen der Familien in ihren Dörfern. Die Braut wir festlich hergerichtet mit Privatauto aus der 50 km entfernten Stadt herangefahren und verschwindet im Haus, wo die Ankunft des Braeutigams und dessen Angehöriger sowie der halben Dorfbevölkerung erwartet wird.

Diese treffen mit Gehupe und Musik endlich ein, die Braut wird aus dem Hause geführt, dem Braeutigam und dessen Familie übergeben. So will es der Brauch. Sie wird reichlich mit Gold und Geld beschenkt und nach etwas mehr als einer Stunde macht man sich auf den Rückweg ins Dorf des Braeutigams, natürlich mit Braut. Dort werden alle schon neugierig von den Daheimgebliebnen erwartet. Noch ein zwei Taenzchen und endlich darf das Brautpaar sein neues Heim betreten.

Waehrend der ersten Tage steht der Braut die Schwester des Braeutigams zur Seite. Sie wird wichtigste Ansprechperson, doch bereits nach drei Tagen will es die Tradition, dass Braeutigam und Braut zum ersten Male deren Eltern besuchen..

Das alles klingt sehr unromantisch und reglementiert. Ja, so ist es auch. Aber: So entsteht auch ein ganz anderes Mass an Sicherheit für alle Beteiligten, eine Form von Wertschaetzung, welche niemand einfach so aufs Spiel setzen möchte.

Das beginnt mit der Hochzeit: Es ist kein schlechtes Gefühl, von über 200 Leuten des neuen Dorfes, in welchem man wohnen wird, abgeholt und an den neuen Wohnort begleitet zu werden..und wenn dann auch noch 4 Leute aus dem Dorfe des Braeutigams im Dorfe der Braut vergessen werden.. dann verlangt das nach mehr „Zusammenarbeit“….im Mai findet die naechste Hochzeit statt :-))

Die Gesichter der Menschen lügen nicht, finde ich. Da ist wenig von Unterdrückung, gesellschaftlicher Aechtung usw. usw. zu sehen, auch wenn Frauen und Maenner getrennt sitzen, getrennt essen.. Das sind Aeusserlichkeiten. Auch das Kopftuch.. Nein, da ist Lebensfreude pur, auch wenn die meisten dieser Menschen in bescheidensten Verhaeltnissen leben..

Diesen Beitrag betrachte ich als Denkanstoss…

Bilder

Video

hoş çakalın

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