Die „neuen“ bischöflichen Richtlinien

Die Deutsche Bischofskonferenz praesentierte in den vergangenen Tagen ihre neuen Richtlinien und wollte damit wohl endlich dieses trübe Kapitel abschliessen und wieder zur Normalitaet übergehen. Dazu drei Dinge, welche mir aufgefallen sind:

1. Anzeigepflicht von Missbrauchsfaellen, sofern das Opfer nicht widerspricht..
Hatten wir das nicht alles schon früher? Opfer oder Eltern meldeten sich, wurden in die Pflicht genommen und im Extremfall sogar für ihr Schweigen entschaedigt. Somit war beim Opfer der Wunsch nach einer Gerichtsbarkeit aus Sicht der Kirche nicht mehr vorhanden. Oder: Wie wurde denn das Schweigen der Kirche am Beispiel Canisius erklaert? Die Opfer baten um Verschwiegenheit, deswegen wurde nichts unternommen, „konnte“ nichts unternommen werden.
Diese Türe, welche also weiterhin das interne Verfahren, nicht aber die weltliche Gerichtsbarkeit nach sich zieht, bleibt weiterhin offen und wird weiterhin rege benutzt werden.

2. Entschaedigungen

Es gibt inzwischen genügend Beispiele aus den USA und İrland, in welchem Rahmen die Kirche bereits Regelungen getroffen hat oder treffen musste. Hier und heute zu sagen, derartige Forderungen seien nicht Thema der Bischofskonferenz, sondern würden am „runden Tisch“ diskutiert, zeigt, dass man erneut auch diese Frage von Grund auf und zum eigenen Vorteil bedacht, mal auf die lange Bank schiebt. Es würde der kath. Kirche nach all den Vertuschungsmanövern gut anstehen, zumindest die dort eingegangenen Verpflichtungen als eine mögliche Richtschnur zu definieren und damit an den runden Tisch zugehen. Dadurch ist das Leid der Opfer nicht ausgekauft, aber zumindest materiell anerkannt. Eine derartige Aeusserung sucht man vergeblich.

3. Taeter werden weiterhin in der Kirche beschaeftigt

Punkt 46 erlaubt immer noch deren Versetzung, informiert wird lediglich der neue Dienstvorgesetzte, nicht die Gemeinde.

Erfolgt die Versetzung gar in ein anderes Bistum, muss laut Leitlinien sogar nur der neue Bischof über das Vorleben des gefallenen Hirten unterrichtet werden, alle anderen bleiben ahnungslos.

Genau diese Praxis hat es in der Vergangenheit möglich gemacht, dass Taeter unerkannt erneut straffaellig geworden sind und alle Beteiligten sich die Haende in Unschuld gewaschen haben.

Was bleibt? Ein Aufhaenger, wonach künftig Straftaten zur Anzeige gebracht würden, verknüpft mit Einschraenkungen und einer Beschaeftigungspraxis (Versetzungen etc.) welche alle bekannten Nottürchen weiterhin offen lassen. Vor allem aber: Am Unterbau des internen Vertuschens und Umgangs mit Tatern hat sich scheinbar so gut wie nichts geaendert.
Doch: Freiwillige Helfer und Laien müssen neuerdings ein Führungszeugnis (Leumundszeugnis) abgeben… Wieviele Laien waren innerhalb der kath Kirche in Missbrauchsfaelle involviert???

Es ist und bleibt also weiterhin die Kirche, welche von Fall zu Fall entscheidet, ob nun die Voraussetzungen für eine rechtskraeftige Anzeige gegeben sind.

Via die so genannte Verschwiegenheitspflicht und den so genannten Opferschutz (definiert durch die Kirche) kann also weiterhin munter Taeterschutz betrieben werden.

Mich erstaunt, dass dieser Umstand in den Medien nicht staerker beleuchtet wird.

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