Offener Brief an Necla KELEK

Sehr geehrte Frau Kelek

Anlass zu diesem Beitrag ist Ihre Replik in der faz unter dem Titel „Wulffs Republik der Glaeubigen“. Wer interessiert ist, kann ihn hier in voller Laenge nachlesen. Gleichzeitig empfehle ich, die hier verlinkte Rede des Bundespraesidenten ebenfalls durchzulesen.

Aus Ihrem Beitrag   zitiere ich die Einleitung:

„Als ich sah, wie Christian Wulff in Ankara im türkischen Parlament mit vorsichtigen Schritten zum Rednerpult ging, hatte ich nicht den Eindruck, hier trete der Präsident der Bundesrepublik Deutschland auf. Die tastenden kurzen Schritte, ein Blick, der nicht auf das, was vor ihm lag, gerichtet war, sondern stur geradeaus sah. Er schien Furcht vor falschen Worten zu haben. Vielleicht war er zu sehr beeindruckt von der martialischen Kulisse des Anit Kabir in Ankara, des Grabmals Atatürks, das größer ist als die Akropolis in Athen, wo er kurz zuvor einen Kranz niedergelegt hatte. Oder vom militärischen Aufmarsch, bei dem er den Vorwand bot, dass erstmals eine verschleierte Präsidentengattin auftreten konnte. Ich sah einen vorsichtigen Mann am Pult stehen.“

Erstaunlich , welche destruktive, subjektive Schreibe hingeklotzt wird. İch kleckere nun auch: Staatspraesident ohne Selbstbewusstsein, eingeknickt vor dem gigantischen Atatürk Monument und oder der Praesenz des Militaers und möglicherweise geschockt von der Tatsache, dass anlaesslich seines Besuches erstmals eine „verschleierte Präsidentengattin auftreten konnte.“ War die Gattin des türkischen Staatspraesidenten „verschleiert“, Frau Kelek? Ich nenne diese Wortwahl demagogisch, denn Frau Gül trug zwar ein Kopftuch, war jedoch nicht verschleiert.)

Was hat diese Einleitung mit dem Thema zu tun? Nichts. Das ist Agitation. Und so geht es dann weiter. Da der Wulff nun  demontiert ist, kann man endlich loslassen mit der Kritik. Eine Kritik, welche voller Stimmungsmache ist. Aus dem Geschriebenen geht nicht hervor, was der Bundespraesident tatsaechlich gesagt, und was Sie aus ihrer Sicht zum Gesagten noch hinzugefügt haben, dem Bundespraesidenten indirekt in den Mund legen.  Da lohnt sich nun wirklich der Textvergleich und man stellt fest:

Ihnen geht es um die Geschichte und die Ungerechtigkeiten in der Türkei, Ihnen geht es um den Kampf gegen die İslamisierung der Türkei, die Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft und dazu muss in diesem Beitrag der Bundespraesident als İhre Plattform, als ihr Lautsprecher herhalten.

Es gibt zweifelsohne diskussionswürdige und zu kritisierende Dinge in der Türkei. Genauso gibt es diese in Deutschland, davon zeugen die taeglichen Zeitungsbeitraege und Leserzuschriften. Die Frage ist nun, ob es Aufgabe des Bundespraesidenten ist, dies in einer Parlamentsrede praktisch als Anklage Punkt für Punkt vorzutragen, oder aber, ob man ihm das Recht zugesteht, sich auf einige zentrale Punkte zu beschraenken und das entscheiden nicht Sie, sondern der Bundespraesident.

Offenbar sehen Sie dies jedoch völlig anders. Sie agitieren türkeipolitisch über die Person Wulffs. Sie agitieren radikal. Türkischer Klassenkampf, Laizismus gegen İslamismus. Sieg oder Untergang. Dabei begehen Sie einen entscheidenden Fehler:

İn ihrer Radikalitaet  kriegen Sie Beifall von der falschen Seite. Nicht erst seit diesem Beitrag, doch gerade hier ist es wieder eindrücklich zu verfolgen und zwar in den Leserzuschriften. Ein herrliches Ventil, wieder mal gegen İslamismus und Fremdes loszuwettern, Dampf abzulassen. Ein hübscher Mob hat sich da versammelt.

Freuen Sie sich über diesen Applaus? Wollten Sie das? Oder glauben Sie tatsaechlich, all diese Zuschriften seien für die Stimmung in Deutschland repraesentativ?  Falls ja, würde ich mich in diesem Lande aber gar nicht mehr wohl fühlen.

İch habe einen Wunsch:

Schreiben und publizieren Sie bitte die Rede, die der Deutsche Bundespraesident vor dem türkischen Parlament ihrer Meinung nach haette halten sollen.

Sollten Sie keinen Abnehmer finden: Gerne stelle ich İhnen Raum in diesem Blog zur Verfügung und vielleicht kann man auf Grund „ihrer“ Rede dann auch zu einer sachlicheren Diskussion gelangen.

Mit freundlichen Grüssen, Saygılarımla

Walter Helbling


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