Papstbuch: Korrekturen und Missverstaendnisse

 

Norbert Denef in Rom

Der Papst hat ein Buch geschrieben und schon geht es wieder los mit den Missverstaendnissen:

İn einem İnterview bezieht er sich in Sachen Kondome namentlich auf „maennliche Prostituierte“, um spaeter durch den Vatikan ausrichten zu lassen, damit seien natürlich alle Prostituierten gemeint. Allerdings muss man dann wieder das italienische Buch nachbessern, denn dort ist von „weiblichen Prostituierten“ die Rede. Na ja, wen interessiert es eigentlich noch, was die Kirche zum Thema Kondome zu sagen oder nicht zu sagen hat?

Kritik am Religionsunterricht in Deutschland. Der Papst wundert sich, dass bei den Kindern „gar so wenig hängen bleibt“. Ja, das ist wohl nicht nur ein Problem der Religionslehrer, sondern der Schule allgemein. Statt Kritik waere vielleicht Reform angesagt.

Zum Thema Rücknahme der Exkommunikation der Lefebre-Bischöfe meint Benedict: Wenn er gewusst hätte, dass der englische Bischof Richard Williamson die Existenz der Gaskammern der Nazis leugnete, hätte er ihn nicht von der Exkommunikation befreit und seinen Fall von den übrigen Bischöfen der Priesterbruderschaft abgetrennt.

Und dazu passt noch Folgendes: Der umstrittene Papst Pius XII soll rehabilitiert werden, da er in der Nazizeit Juden das Leben gerettet habe und nicht für den Tod von Juden verantwortlich sei, wie vielfach behauptet werde… Nun, es kommt wohl wie im Falle Williamson auf die Quellen an, aber Letzterer und dessen Vereinsbrüder werden sicherlich Freude haben an dieser Entwicklung, ist es doch vor allem die Bruderschaft Pius X, welche diesen Papst seit Jahren heilig gesprochen haben möchte…

So erstaunt es nicht, dass sich der Benedict auch darüber beschwert,  dass es in Deutschland viele Katholiken gebe, die es als ihre Hauptaufgabe betrachten, den Papst derb und rüde zu kritisieren. Derb und rüde mag etwas krass ausgedrückt sein, aber ich zaehle mich auch zu den Kritikern. Nicht weil ich dem Papste schlecht will, sondern weil ich jedermann kritisiere, der derartig flauschig und sich dauernd verbessernd über Dinge fabuliert, wo schon laengst Klartext angesagt waere.

Zum Thema Kindsmissbrauch in kirchlichen İnstitutionen:

„Wichtig ist, dass man als Erstes sich der Opfer annimmt und alles tut, um ihnen zu helfen und heilend zur Seite zu stehen;(genau darauf haben die Opfer bis zu 40 Jahre lang vergeblich gewartet und warten sie heute noch) zweitens, dass man solche Taten durch eine rechte Auswahl von Priesterkandidaten verhindert, so gut es geht;(es geht kaum, da ja eh Priestermangel ohne Ende die Tagesordnung bestimmt; stattdessen waere das Zölibat ein in diesem Zusammenhang aufzugreifendes Thema)  und drittens, dass die Täter bestraft und von jeder Möglichkeit ausgeschlossen werden, die Taten zu wiederholen.(..und genau das Gegenteil hat man bis zum heutigen Tage praktiziert und noch ist nicht abzusehen, wie das konkret innerkirchlich geaendert werden soll) (…)

Es darf nie geschehen, dass man sich wegstiehlt und es nicht gesehen haben will und die Täter weitermachen lässt. Notwendig ist also Wachsamkeit der Kirche, Strafe für den, der gefehlt hat, und vor allen Dingen Ausschluss vom weiteren Zugang zu Kindern.(…)

Dass es den Opfern schwerfällt, noch zu glauben, dass die Kirche Quelle des Guten ist, dass sie das Licht Christi vermittelt, dass sie leben hilft – das kann ich verstehen.Quelle

So, endlich Klartext. Ja? Nanu, was hat es denn damit auf sich? İch zitiere aus einem Beitrag auf netzwerkB:

Liebe Mitglieder und Freunde von netzwerkB,

In Kooperation mit Betroffenen-Vertreter weltweit (USA, England, Belgien, BRD) demonstrierte am 19.11.2010 netzwerkB für die Rechte Betroffener von sexualisierter Gewalt mitten in Rom. Die Macht-Schaltzentrale der katholischen Kirche im Vatikan versuchte, mit Polizeigewalt diese Aktion zu verhindern. Ich hatte es gewagt, mein Foto (von der Erstkommunion, also kurz bevor ich acht Jahre lang missbraucht wurde) auf meiner Brust zu tragen. Daraufhin wurde ich polizeilich erfasst. Des weiteren wurde mir untersagt, den Sticker von “netzwerkB” öffentlich zu tragen.“ Quelle und ganzer Beitrag

Sicherlich hat der Papst keine Kenntnis von diesem Vorfall und wird in einem Jahr mitteilen, er waere  sofort bereit gewesen, den Betroffenen sexualisierter Gewalt eine Privataudienz zu gewaehren. Aber eben… leider…erst im Nachhinein erfahren…

Dieses Elfenbeinturmgehabe ist nun einmal nicht mehr von dieser Welt, egal ob kirchlich oder weltlich. Vor allem der innere Zirkel der kath. Kirche scheint dies noch nicht begriffen zu haben. Vielleicht müsste man mal den Verteidigungsring der Schweizergarde um das Machtzentrum herum etwas lockern….

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