Die zwei Guttenbergs

Da ist einer, seines Zeichens Minister, Strahlemann der Koalition und mit dem Namenszug „Dr. zu“. Dieser eigentlich nichtssagende Titel, denn ein zweites Staatsexamen wurde nie abgelegt, scheint dem Herrn Minister jedoch immerhin so wichtig, dass es alle, vor allem die ihm untergebenen Soldaten, unübersehbar auf seiner Militaerjacke vorgesetzt kriegen. Nicht K-Th. zu Guttenberg, nein: Dr. K. Th. zu Guttenberg. Ein Politiker, akademisch gebildet, mit Titel. Ein Wissenschaftler.

Das Bild hatte Bestand bis letzte Woche. Dann Fragen zur Doktorarbeit und die harsche Erwiderung des Wissenschaftlers zu Guttenberg, an diesen Vorwürfen sei nichts dran. Etwas spaeter die Erklaerung, den Doktortitel ruhen zu lassen, bis eine Untersuchung Klarheit  erbracht habe und nur so lange werde er auf die Führung des Titels verzichten. Man merkte, der Titel war dem Minister etwas wert…

Gestern abend ein weiterer Schritt: zu Guttenberg erstmals in der Öffentlichkeit und er sagt, wie richtig es war, „dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde“. Hat er so am Freitag nicht gesagt.! Damit führt er seine Lügenstrategie fort und das Parteivolk applaudiert.

Er geht noch einen Schritt weiter: „Ich sage das ganz bewusst, weil ich am Wochenende auch, nachdem ich mir diese Arbeit noch einmal intensiv angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex nicht erfüllen.“ Deswegen will er jetzt den Doktortitel gar nicht mehr, obwohl dieser Entscheid nicht von ihm sondern von der Universitaet Bayreuth gefaellt werden wird. Eine weitere Fehleinschaetzung des Wissenschaftlers und Politikers.

Diese Tat wird als Zeichen für die Staerke des Politikers zu Guttenberg interpretiert und in den eigenen Reihen mit Standing Ovations quittiert. Gleichzeitig blaest sich eine facebook-Gruppe mit rund 200 000 Sympathisanten pro zu Guttenberg auf, natürlich nicht pro Wissenschaftler, sondern pro Minister, Verweis auf die Toten in Afghanistan usw…

Wie zieht man sich aus diesem Sumpf heraus? Der Minister zu Guttenberg erkennt im Laufe dieses Wochenendes die Fehler und Maengel des Wissenschaftlers „summa cum laude“  zu Guttenberg und trennt sich von dieser Person, denn das war offensichtlich ein kleiner Betrüger, der sich mit falschen Federn zu schmücken beliebte. Dies geschieht mit folgenden Worten:“Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe.“ Vielleicht müsste man sich den ersten Satz merken, möglich, dass auch dieser noch relativiert werden muss.

Für den Politiker Guttenberg ist die Sache damit gegessen. Er hat sich vom Wissenschaftler getrennt und somit ist er nicht mehr verantwortlich für dessen Schaffen oder Kopieren. Weitere Fragen in diese Richtung  empfindet der Herr Minister wohl als Zumutung. Schwamm drüber, Ende! Schliesslich geht es um Wichtigeres.  So scheint Karl Theodor zu Guttenberg die Situation derzeit einzuschaetzen.

Gibt es nicht einen anderen wissenschaftlichen Zweig, welcher auf Grund eines derartigen persönlichen Verhaltens zu einer eindeutigen Diagnose kommt??





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