Der Minister und die Kanzlerin

So, nun hat er also seinen Rücktritt bekanntgegeben, Herr zu Guttenberg. Genauso wie in allen Presseerklaerungen zuvor stand nicht er im Mittelpunkt, sondern „der Schutz der Truppe“, „der enorme Druck der Presse“, die eigene Familie. Nicht er mit seinem Versagen und seinen Mogeleien, nein, die Umfeldfaktoren haben ihn dazu gebracht zu sagen: “Ich war immer bereit zu kämpfen – aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.” Also, keine persönliche Schuld, sondern die Hetze, das kleinliche Herumreiten auf einer Doktorarbeit, welche vor Jahren geschrieben wurde, die bösen Medien, derer er sich selbst früher so gerne bedient hat, die Pietaetlosigkeit gegenüber der Armee mit ihren Opfern, all das ist der Grund für seinen Rücktritt. wieder erweckt er den Eindruck, Opfer und nicht Taeter zu sein. Psychologisch hochinteressant. Abgang mit trotzig hochgeworfenem Kopf-keine Fragen.

Freiwillig? İch glaube nein: Könnte es sein, dass wir in wenigen Tagen lesen, zu Guttenbergs Plagiat sei eine strafrechtlich relevante Faelschung und eine entsprechende Untersuchung werde eingeleitet? Üblicherweise kriegen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in solchen Faellen eine Vorabinfo…

Nun, er ist zurückgetreten, musste erkennen, dass die Strategie, „Wissenschaftler wird von Politiker getrennt“, nicht mehr haltbar war. Es waren wohl im Wesentlichen die Wissenschaftler mit ihrem scharfen Protest, welche zu dieser Einsicht beigetragen haben.

Ein weiterer Grund, der immer offensichtlicher wird: Mit dem „wohlbestellten Hause“ ist es nicht so weit her. Kritik an der Wehrreform aus dem Kanzleramt. Georg Fock kehrt zurück und dann wird wohl die Besatzung sprechen, der Kapitaen scheint entlastet… all das waere in den kommenden Wochen dazu gekommen… Also Rücktritt im Guttenbergschen Tempo, was vor 24 Stunden galt, war nun Makulatur,  entschlossen, unwiderruflich und auch die politischen Partner scheinen ziemlich sprachlos.

Zurück bleibt eine Kanzlerin, welche dieselbe moralisch und gesellschaftlich verwerfliche Strategie gefahren ist. Sie selbst auch Wissenschaftlerin, liess sich in ersten Verlautbarungen zum Plagiat mit folgendem Satz vernehmen:“İch habe keinen wissenschaftlichen Assistenten, sondern einen Verteidigungsminister berufen.“ Also auch hier dieselbe  absolut unhaltbare, niedertraechtige Argumentation im Sinne von:“Was interessiert mich, was mein Minister im Garten des Nachbarn zusammenklaut, hier macht er gute Arbeit.“ Ein weiterer Sargnagel für die Glaubwürdigkeit von Politikern.

İch hoffe, an diesem Satz und vor allem an der zu Grunde liegenden Einstellung, welche einen solchen Satz zu sagen überhaupt erst ermöglicht, wird sie noch lange zu kauen haben.

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