zu Guttenberg: Da wollte einer Ruhe

Nach mehr als zögerlichem Eingestehen eigener Verfehlungen und wohl erst auf Druck der Kritik renommierter Wissenschaftler, hat der ehemalige Verteidigungsminister eingesehen, dass auch politisch eine Auszeit nötig wird, hat er, mit Vorwürfen nicht sparend, trotzig seinen Rücktritt bekanntgegeben. Das Wie ist nicht wichtig, er hat seinen Rücktritt von allen politischen Aemtern bekanntgegeben.

Der Druck war riesig und er konnte davon ausgehen, dass nun mal Ruhe einkehren würde. Für sich, für seine Familie, für seine Partei. Das haben schon viele Politiker oder Manager vor ihm gemacht und sind irgendwann wieder in die Politik oder in die İndustrie zurückgekehrt.

İm Falle zu Guttenberg passiert nun was völlig Anderes. Via Medien und facebook laeuft eine Volkskampagne „wir wollen Guttenberg zurück“. Das was sich da abspielt,  liegt weit über dem Mediendruck, den er zuvor zu ertragen hat, denn nun wird in beiden Lagern mobilisiert, für oder gegen und dies mit Mitteln, die teilweise unter der Gürtellinie liegen. Am Rande: Es zeigt sich auch, dass facebook ab einer bestimmten Mitgliederzahl mit dauerndem input kontraproduktiv wird.

Problematisch wird nun die Situation mit dieser „Volksbewegung“ für zu Guttenberg und die Parteien. 530 000 Mitglieder (echt oder unecht lassen wir beisieite), sind für einen Wahlstrategen eine nicht zu verachtende Masse an theoretischen Stimmen. Auf die will man nicht verzichten. Also auf den Zug aufspringen? Nicht wegen Guttenberg, aber wegen der Stimmen. Denkbar.

Herr zu Guttenberg selbst hat seinen Rücktritt kommuniziert. Rücktritt vom Rücktritt waere das politische Todesurteil. Aber auch zeitnahe Rückkehr in die Politik würde seine Position eher schwaechen und er bliebe angreifbar, vor allem, wenn das derzeitige Argumentationsmuster „pro Guttenberg“ weiter Bestand haben sollte.

Genau das will jedoch die Bewegung „pro Guttenberg“. Gleichzeitig werden neben der Opposition auch Unionspolitiker und -Parteien als unfaehig und verlogen bezeichnet. Somit entsteht die Situation zu Guttenberg gegen alle. Damit wird zu Guttenberg politisch untragbar, es sei denn, er laesst sich von diesem hype hinreissen und „laesst“ eine eigene Partei gründen. Das wiederum waere die naechste Totgeburt, welche uns dann beschert würde, denn in Kürze wird sich zeigen, dass rund um die Person Guttenbergs auch in der Regierung die Probleme erst beginnen, von gut bestelltem Ministerium, welches er zurückliess,  kann keine Rede sein.

Morgen ist ein interessanter Tag. Demos sind angesagt. Bringt die Bewegung „pro Guttenberg“ ihre Mitglieder auf die Strasse? Werden die C-Parteien auf diesen Zug aufspringen? Sie haetten ja die Voraussetzungen, bestehende Ortskomitees in die Organisation der Demos einzubringen.  Wir werden sehen.

Verlierer im Moment ist aus meiner Sicht eindeutig Herr zu Guttenberg, denn objektiv wird ihm derzeit jeder Weg verbaut. Er wird vereinnahmt und weitergetrieben, ist nicht mehr in der Lage, seinen Weg selbst zu bestimmen.

ihm bleiben nur zwei Möglichkeiten:

a) Er laesst sich auf den Schild heben und bricht gleichzeitig mit den bestehenden Parteien. Erfolgsaussichten mehr als zweifelhaft und mit dem Rücktritt vom Rücktritt würde sein Ruf als Wackelpolitiker, der seine Meinung dauernd aendert, gestaerkt.

b) Er bittet die İnitiatoren von „pro Guttenberg“, alle Aktivitaeten einzustellen, da er derzeit keinerlei politische Ambitionen mehr hege. Damit enttaeuscht er 500 000 Fans  und macht diese „heimatlos“.

İch kann mir nicht vorstellen, dass Herrn zu Guttenberg dieser Zustand behagen kann.

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