Fukushima 19.3.2011: Was tatsaechlich passiert.

Seit gestern wird in den Medien nachrichtenmaessig praeventiv gehofft. Stromkabel liegt bereit, Pumpen sollen angeschlossen werden, bereits ein Zeitplan, welche Reaktoren wann wieder vom System gekühlt werden usw. usw. Daneben beginnt die İAEA vor Ort Journalisten mit nichtssagenden Meldungen zu füttern, welche bereitwillig verbreitet werden. İch werde mich heute darauf konzentrieren, das darzustellen, was im Laufe des Tages tatsaechlich passiert ist oder passiert. Vielleicht ein positiver Aspekt: Es gab heute keine weiteren Explosionen.

Ausserdem gab es jede Menge von Meldungen mit „morgen soll“, „ist geplant“, „wird voraussichtlich“ usw. İch nehme sie nicht auf, da das meiste schon gestern haette passieren sollen…

23:30: Radioaktivitaet im Wasser Die Behörden haben im Leitungswasser von Tokyo erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Es handele sich um Spuren radioaktiven Jods, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf einen Vertreter des Wissenschaftsministeriums. Allerdings lägen die Werte in allen Fällen deutlich unter dem zulässigen Grenzwert. Ungewöhnlich hohe Werte seien zudem im Trinkwasser der zentraljapanischen Präfekturen Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata festgestellt worden.

08.14: Nach Angaben des Fernsehsenders NHK bringt das japanische Gesundheitsministerium Kranke, die sich bislang in einem Radius von bis zu 30 Kilometern vom AKW Fukushima-1 untergebracht worden waren, in andere Präfekturen. Es handelt sich um etwa 5000 Personen.

07:39: İn Fukushima wird es abend und somit neigen sich auch die Aktivitaeten vor Ort dem Ende zu.  Auffallend ist, dass im Laufe der letzten 24 Stunden so gut wie keine aussagekraeftigen Live-Bilder zu sehen sind. Es gab heute also zwei massive Löscheinsaetze, möglicherweise wurde Reaktor 5 teilweise ans Stromnetz gehaengt. Weitere konkrete Ergebnisse sind nicht bekannt.

06:50: Nächster Kühlversuch an Reaktor 3
An Block 3 von Fukushima 1 beginnt ein neuer Kühlversuch. Bereits am frühen Samstagmorgen hatten die Einsatzkräfte 25 Minuten lang 90 Tonnen Wasser auf die Anlage regnen lassen.

06:42: Im havarierten Reaktor 4 des Katastrophen-AKW Fukushima sammelt sich seit gestern erneut explosiver Wasserstoff. Dies geht aus der aktuellsten Analyse des Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) hervor. Das Risiko für eine weitere verheerende Wasserstoff-Explosion ist nach Expertenmeinung aber gering., da die Aussenhüllebereits beschaedigt ist und Wasserstoff soit entweichen kann.

06:30: Das japanische Wissenschaftsministerium hat die neuesten Messwerte aus der Nähe der Sperrzone veröffentlicht. 30 Kilometer nordwestlich von Fukushima I sind Strahlenwerte von bis zu 140 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden.

Wer also hier lebt (und hier wurde noch nicht evakuiert), nimmt  innerhalb weniger Stunden die Jahresdosis an Strahlung auf, welche als gesundheitsgefaehrdend gilt.

06:10 Um eine mögliche Wasserstoffexplosion an den Reaktoren 5 und 6 zu verhindern, lässt der AKW-Betreiber Tepco Löcher in die Reaktorgebäude bauen. Ingenieure hätten jeweils drei mehrere Zentimeter große Löcher in die Dächer gebohrt, teilte ein Sprecher der Betreiberfirma mit.

Es handelt sich hier um die beiden Reaktoren 5 + 6, welche waehrend einer Woche als nicht problembehaftet bezeichnet wurden, obwohl die Kühlwassertemperatur von üblicherweise 25 Grad auf über 60 Grad angestiegen ist.

19.3. 06:00 Grenzwerte für Arbeiter heraufgesetzt:

Viele Arbeiter, die im Kampf gegen eine nukleare Katastrophe in dem havarierten japanischen AKW Fukushima I im Einsatz sind, wurden einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt, als es die Richtlinien des Betreibers vorsehen. Die Betreiberfirma TEPCO entschloss sich daher, die erlaubten Grenzwerte von 100 Millisievert pro Dienstschicht auf 150 anzuheben. Angesichts dieser „noch nie dagewesenen“ Katastrophe sei dies notwendig, gab TEPCO Samstagfrüh (Ortszeit) im staatlichen Sender NHK bekannt.

Somit erhalten die Arbeiter innerhalb von 6 Stunden die Menge an Radioaktivitaet, welche nach allgemeinen Richtlinien als gesundheitsgefaehrdende Jahresdosis bezeichnet werden.

18.3: Löschversuche

Laut Angaben von TEPCO wurden gestern „über 50 Tonnen Wasser“ in zwei Löscheinsaetzen auf Reaktor 4 gesprüht.

Hier geht es um trocken liegende Ruhebecken mit Brennstaeben, welche zu überhitzen drohen. Fassungsvermögen 2000 Tonnen Wasser.

Seit 17.3. um 12 Uhr ist der Messpunkt für radioaktive Strahlung MP1 amHaupttor der Anlage Fukushima 1 nicht mehr in Betrieb. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Es handelt sich um die Messstation, welche bisher die beunruhigendsten Daten bezüglich Verstrahlung  in der Anlage lieferte. Hier die Grafik

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2 Kommentare zu “Fukushima 19.3.2011: Was tatsaechlich passiert.

  1. Ich muß hier mal einen großen Dank loswerden, für die unermüdliche genaue Hinterfragung. Ich habe lange im Netz gesucht, bis ich auf diesen Blog stieß. Mir geht die gleichgeschaltete Berichterstattung der offiziellen Medien ziemlich auf die Nerven und das nicht nur zum Thema Nuklearbedrohung. Was gibt es neues zu dieser Meldung?

    Rokkasho, wo rund 3000 Tonnen Brennstaebe lagern wird mit Notstromaggregaten gekühlt, die nicht für längere Einsätze gebaut sind…

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