Fukushima 20.3.2011: „Keine Aenderung“

Was die Anlage von Fukushima betrifft, gibt es trotz riesigen Nachrichteninputs so gut wie nichts Neues zu berichten. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, welche bisher die zuverlaessigsten Angaben zu den wirklichen Vorkommissen macht beschreibt den gestrigen Tag wie folgt (Stand 19.3. 18:15):

„1   Änderungen gegenüber letztem Stand

Fukushima Daiichi

Block 1
Keine Änderung

Block 2
Keine Änderung

Block 3
Keine Änderung

Block 4
Keine Änderung

Blöcke 5 und 6
Keine Änderung

Zwischenlager am Standort Fukushima Daiichi
Keine Änderung

Fukushima Daini
Keine Änderungen in diesen Blöcken.

Onagawa 1-3 und Tokai
Keine Änderungen in diesen Blöcken.

Radiologische Situation
Die Graphiken zu den Ortsdosisleistungen am Standort Fukushima Daiichi und Daini sowie die Übersicht der in der weiteren Umgebung gemessenen Ortsdosisleistungen wurden aktualisiert. Quelle und Grafiken (sehr empfehlenswert!!)

——–

İm Laufe des frühen Morgens (japanische Zeit), begann jedoch erneut der Druck im Plutoniumraktor  zu steigen. Es muss also wieder Druck abgelassen werden und was da in die Luft gehen wird, ist sehr bedenklich.

Wie bereits in einem früheren Beitrag erwaehnt, laeuft diese ganze Katastrophe im Gegensatz zu einem Hausbrand im Zeitlupentempo ab. Das bedeutet, dass eben mit jedem Tag, egal was passiert, Beschaedigungen im Reaktor und Verstrahlung um das ganze Gelaende Schritt für Schritt zunimmt. Die Lage wird nicht einfacher, wenn es gelingen sollte, einen Reaktor unter Kontrolle zu bringen, denn mindestens zwei (Reaktor 4 war ja nicht in Betrieb) andere drohen ebenfals durchzuschmelzen und zu jedem Reaktor gehört ein Ruhebecken mit unzureichend gekühlten Brennstaeben.

Fachleute gehen davon aus, dass bei einer vollstaendigen Schmelze eines Reaktors oder Beckens die Verstrahlung derart gross wird, dass Menschen das gesamte Areal nicht mehr betreten dürfen. Wie nahe man an diesem Punkte ist, zeigt die Tatsache, dass die zulaessigen Grenzwerte für Arbeiter durch den Betreiber nun zum zweiten Male heraufgesetzt wurden… Trotzdem wurden 6 Personen massiv bestrahlt und in den Spital eingewiesen werden.

Folge einer solchen Aufgabe waere, dass  in zeitlich grösserem Abstand 6 – 8 einzeln ablaufende Kernschmelzen erfolgen würden. Dieses Szenario rückt mit jedem Tage mehr in den Vordergrund und den Rest des Erfolgs- und Beschwichtigungsgetickers kann man sich ersparen…

Tatsache ist: In den Blöcken 1-4 kommt man bisher nicht voran und offensichtlich nimmt die Verstrahlung der weiteren Umgebung in einem viel höheren Masse zu, als offiziell bekannt gegeben wird.

Unter diesem Gesichtspunkt ist die folgene Meldung zu betrachten:

„Dafür prüft das japanische Gesundheitsministerium einen Verkaufsstopp von Lebensmitteln aus der Präfektur Fukushima. Milch, Spinat und Trinkwasser aus der Umgebung des defekten Kernkraftwerks sind stark radioaktiv. Leicht radioaktives Wasser ist sogar im 240 Kilometer entfernten Tokio nachweisbar.“

„Die radioaktiven Partikel haben sich weit verteilt: In der südlicheren Präfektur Ibaraki war ebenfalls belasteter Spinat entdeckt worden. Radioaktives Trinkwasser – wenn auch weit unter den Grenzwerten – wurde außer in Tokio auch in sechs weiteren Präfekturen entdeckt. Die Nachrichtenagentur Kyodo nannte die Präfekturen Fukushima, Tochigi, Gunma, Chiba, Saitama and Niigata. Es bestehe dort jedoch keine Gesundheitsgefahr durch das Wasser, selbst wenn man es trinke, teilte das japanische Wissenschaftsministerium mit.“

Das heisst, die Katastrophe beginnt nun dort Wirkung zu zeigen, wo sie am nachhaltigsten sein wird: Verstrahlung, Vergiftung von Mensch und Natur, der Lebensgrundlagen schlechthin.

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4 Kommentare zu “Fukushima 20.3.2011: „Keine Aenderung“

  1. Weiss irgendjemand, ob irgendwer Wasserproben aus dem Meer vor Fukushima (wohinein das Kühlwasser abgelassen wurde) genommen hat?

  2. Hallo Wissbegierig

    Keine Ahnung, wobei ich vermute, dass der Grossteil des Wassers, welches in den letzten Tagen verspritzt wurde, verdampft sein dürfte. Trotzdem: Verstrahlung des Meeres ist zweifellos ein wichtiger Punkt, denn:
    Die ursprüngliche 10 Kilometer Zone wurde auch im Meer im Laufe von gestern auf 20 Kilometer erweitert. Sicherlich nicht grundlos…

  3. Auf das in den letzten Tagen verspritzte Wasser mag wohl zutreffen, dass es sich als Sprühnebel verteilte.

    In der Chronologie der gfp finden sich allerdings auch folgende Mitteilungen, aus denen ich schließe, dass in den Tagen davor wohl auch etliches ins Meer gespült wurde (wie sich das dann verteilt, liegt natürlich an den Meeresströmungen vor der Küste):

    Informationen zur Lage in Japan: Stand 12.03.2011, 18.30 Uhr (MEZ)
    Block 1 … Nach IAEA EMERCON-Meldung wurde als Gegenmaßnahme gegen einen möglichen Kernschaden von TEPCO vorgeschlagen, boriertes Seewasser in das Containment zu pumpen. Die Maßnahme wurde von der Behörde NISA bestätigt und um 20:20 (Ortszeit) Uhr wurde mit der Einspeisung begonnen.

    Informationen zur Lage in Japan: Stand 13.03.2011, 05.30 Uhr (MEZ)
    NISA hat bestätigt, dass Cäsium-137 und Jod-131 in der Nähe der Anlage Fukushima Daiichi Block 1 festgestellt wurde. Die mit diesen Messwerten verbundenen Freisetzungen lassen sich ohne die Annahme von Brennstabschäden nicht erklären. Es ist anzunehmen, dass dabei radioaktive Stoffe in das Containment freigesetzt wurden und in diesem größtenteils zurückgehalten werden.

    Informationen zur Lage in Japan: Stand 13.03.2011, 08.30 Uhr (MEZ)
    Block 3 … Um 9:25 Uhr soll boriertes Wasser in den Reaktor eingespeist worden sein (mit „Abwasserpumpen“).

    Informationen zur Lage in Japan: Stand 13.03.2011, 13:00 Uhr (MEZ)
    Block 3 … Danach wurde um 09:25 Uhr Ortszeit (01:25 Uhr MEZ) damit begonnen mit Feuerlöschpumpen boriertes Meerwasser in den Reaktor einzuspeisen. In einer vorherigen Pressemitteilung von TEPCO von 12:00 Uhr Ortszeit am 13.3.2011 (04:00 Uhr MEZ) wurde ohne weitere Zeitangaben nach dem Ausfall des Notkühlsystems ein Sicherheits- und Entlastungsventil von Hand geöffnet, um den Druck im Reaktordruckbehälter abzubauen. Sofort danach wurde mit der Einspeisung von boriertem Meerwasser begonnen.

    Informationen zur Lage in Japan: Stand 13.03.2011, 13:00 Uhr (MEZ)
    Block 1 … Nach TEPCO-Meldung wurde als Gegenmaßnahme gegen einen möglichen Kernschaden von TEPCO vorgeschlagen, boriertes Meerwasser in den Reaktordruckbehälter zu pumpen (ob, wie gestern angekündigt das Containment geflutet worden ist, bleibt unklar). Die Maßnahme wurde von der Behörde NISA bestätigt und um 20:20 Uhr (Ortszeit, 12.03.) wurde mit der Einspeisung begonnen.
    Block 3 … Für Block 3 wird von TEPCO sowie von verschiedenen Presseagenturen und Wikipedia unter Berufung auf TEPCO berichtet, dass gegen 5:30 Uhr Ortszeit am 13.03.2011 das Notkühlsystem versagt habe und damit keine Einspeisung in den Reaktor möglich sei.

    Na und so weiter, bis die verschiedenen Pumpen und Notkühlsysteme dann eins nach dem anderen gänzlich die Grätsche machten.

    • Ja, es ist zweifellos so, dass da laufend detailliertere İnfos zurückgehalten werden. İch habe gestern dazu auch einen Beitrag verfasst.

      Die von dir aufgezaehlten Beispiele und auch die von mir angeführten Argumente lassen eigentlich nur Eines vermute: Statt İnformation wird Desinforamtion betrieben. Über die Gründe kann man nur spekulieren, aber im Vordergrund steht die Vermutung, dass man die Bevölkerung nicht zusaetzlich verunsichern will. Ob das damit erreicht wird, bezweifle ich.

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