Fukushima: Reaktoren 1,2,3 Totalschaden

Heute macht eine dpa-Meldung die Runde durch alle Zeitungen.  Die Meldung im O-Ton:“ Die Entsorgung der Reaktoren des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Eins könnte nach Einschätzung eines Experten bis zu zehn Jahre dauern. Das berichtete die Zeitung „Asahi Shimbun“ und berief sich auf einen Informanten des AKW-Betreibers Tepco. Wegen radioaktiver Strahlung sei es sehr wahrscheinlich, dass die beschädigten Brennelemente in den Reaktordruckbehältern der Blöcke 1,2 und 3 nicht abmontiert werden könnten, sagte der Informant der Zeitung.“

Was laesst sich daraus entnehmen?  İn den Blöcken 1,2,3 hat eine Kernschmelze stattgefunden und zumindest diese Anlagen kommen unter einen Sarkophag.

Gestern aeusserte sich auch ein Regierungssprecher, wonach Fukushima 1 nie wieder ans Netz gehen werde. Wie ist denn das nun mit der INES-Skala? Von den Japanernzögerlich auf 5 eingestuft, von den USA und Frankreich als 6.

Niemand spricht derzeit offen über die Verstrahlung, welche ganz offensichtlich in bedrohlichem Ausmasse steigt und viel weitere Gebiete umfasst, als offiziell bekanntgegeben. Heute gehen Experten davon aus, dass kurzfristig ein Radius von mindestens 300 Kilometern   betroffen ist, hier werden beinahe 50% des japanischen BSP erwirtschaftet (und dazu gehört Tokio!).

Die Tatsache, dass an verschiedenen Orten nach nur einer Woche das Trinkwasser belastet und beispielsweise Raps hoch belastet ist, laesst nichts Gutes erahnen. Hier werden vielleicht Experten erklaeren können, wie es in so kurzer Zeit zu einer so erheblichen Belastung kommen kann.

Reagiert hat Russland und zwar zu einem Thema, worüber derzeit so gut wie gar nicht gesprochen wird: Wie hoch ist die Belastung im Meer, was sind für Konsequenzen zu ziehen? Drei Messchiffe haben ihre Arbeit aufgenommen und mit Sicherheit wird man von dort sehr praezise Angaben kriegen.

Gute Meldungen: Reaktor 5+6 lauefen am Stromnetz und die Ruhebecken werden ordnungsgemaess gekühlt. Die Reaktoren waren zum Zeitpunkt des Bebens eh nicht in Betrieb. Bezüglich der andern Reaktoren ist Nr.3  in kritischem Zustand. Die Tatsache, dass Elektrokabel an Reaktor 1,2, herangezogen wurden, ist kommuniziert. Was es letztlich bringen wird, bleibt weiterhin ungewiss.

İch komme nicht umhin, auch auf den humanitaeren Aspekt des Tsunamis hinzuweisen. Die Verhaeltnisse und die Versorgungslage in den Lagern und Spitaelern ist katastrophal. Dies ist auch der Schwerpunkt in den live-Berichterstattungen von NHK. Hier habe ich wieder einen Live-Stream gefunden. Erschütternd! Es fehlt an allem.

Sehr kritisch

.sind vor allem zwei Punkte. Reaktor drei. Hier wird offenbar erneut überlegt, den Druck durch die Ventile abzubauen, womit Dampf aus dem Plutoniumreaktor in Umgebung entlassen würde. Ein vollstaendiges Durchschmelzen dieses Reaktors würde wahrscheinlich alle andern bisher eingeleiteten massnahmen zunichte machen, da die Anlage von Menschen nicht mehr betreten werden könnte.

Verstrahlung: Hier scheint es, dass das Ausmass erst nach und nach und unvollstandig kommuniziert wird. Es ist beispielsweise erstaunlich, dass İAEA vor zwei Tagen eigene Messteams losgeschickt hat, aber offenbar die Ergebnisse lediglich der Regierung, aber nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Von hochverstrahltem Gemüse zu sprechen, die Bauern aufzurufen, dieses auf Basis von Freiwilligkeit nicht unter die Leute zu bringen, aber nicht darüber zu sprechen, wie sich die Bauern selbst mit dieser Verstrahlung verhalten sollen, das ist schon sarkastisch…

Eben reingeflattert: Der japanische Ministerpraesident verzichtet auf einen Besuch in Fukushima. Dieser Verzicht dürfte den Leuten vor Ort mehr sagen, als alle Pressekonferenzen.

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Ein Kommentar zu “Fukushima: Reaktoren 1,2,3 Totalschaden

  1. Habe gegoogelt.
    Links zum Thema Kühlwasser und Meerwasser:
    http://taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/liveticker-japan-3/
    21.03.2011, 16.54 Uhr: Radioaktives Kühlwasser fließt zurück ins Meer
    Die Notkühlung der Reaktorblöcke mit Tausenden Tonnen von Wasser aus dem Ozean hat ganz neue Probleme mit sich gebracht. „Wohin fließt das Meerwasser ab?“ fragte Najmedin Meshkati von der University of Southern California. Es handle sich inzwischen um radioaktives Abwasser, mit dem entsprechend umgegangen werden müsse und das nicht einfach zurück ins Meer fließen dürfe. „Das ist der versteckte Teil dieser Katastrophe.“
    Die japanischen Behörden haben eingeräumt, dass ein Teil des verwendeten Wassers wieder in den Ozean gelangen könnte. Eine Bedrohung für den Menschen haben sie jedoch als unwahrscheinlich bezeichnet. Dabei ist klar, dass die radioaktiven Substanzen auch in die Nahrungsketten gelangen werden.

    Quelle:
    http://eandt.theiet.org/news/2011/mar/fukushima-progress.cfm
    Engineers have been spraying the coastal complex with thousands of tonnes of sea water so fuel rods will not overheat and emit more radiation.
    However some experts have raised the concern that the sea water has now turned into radioactive waste water and questioned whether there has been any measurement of its radiation effect.
    „That is the hidden part of this catastrophe,“ said Najmedin Meshkati, a nuclear and environmental expert at the University of Southern California in Los Angeles.
    Japanese authorities have acknowledged that some of the water may be spilling into the ocean, but said they doubted it would have any effect on human health. They agreed it needed to be monitored.

    http://www.tagesschau.de/nachrichtenticker/
    21.03.2011 18:25 Uhr
    Verseuchtes Meerwasser: Auswirkung auf Fischerei unklar
    Nachdem eine erhöhte Radioaktivität in der Nähe von Fukushima 1 gemessen wurde, hat der Kraftwerksbetreiber Tepco erklärt, es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der Verseuchung auf die Fischerei zu beurteilen. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, dass in der Nähe der Anlage im Wasser ein deutlich höherer Wert an radioaktivem Jod aufgetreten sei. Auch der Cäsium-Wert im Wasser sei erhöht gewesen.
    21.03.2011 17:46 Uhr
    Tepco: „Keine Gefahr durch verseuchtes Meerwasser“
    Von der im Meerwasser gemessenen Radioaktivität gehe keine Gefahr aus, sagt Tepco. „Es müsste ein Jahr lang getrunken werden, damit sich ein Millisievert im Körper ansammelt,“ sagte ein Angestellter der Firma.
    (Kommentar: Das ist natürlich Larifari. Es geht nicht darum das Meerwasser zu trinken, sondern wie viele radioaktive Stoffe sich in Fischen und Algen ansammeln)
    21.03.2011 17:39 Uhr
    Reuters: Spuren von Radioaktivität im Meerwasser
    Der japanische Kraftwerksbetreiber Tepco meldet, dass Radioaktivität im Meer gemessen wurde. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

    http://www.derbund.ch/ausland/die-tsunami-katastrophe/Meerwasser-vor-Fukushima-verseucht/story/21470288?dossier_id=885
    21.03.2011 18:45 Uhr
    Die radioaktive Belastung im Meer vor dem Kernkraftwerk Fukushima ist massiv gestiegen. Im Wasser rund 100 Meter von der Atomanlage entfernt lagen nach Angaben des Betreibers Tokyo Electric (Tepco) heute die Werte für radioaktives Jod 127 Mal über dem Normalwert. Für radioaktives Cäsium war der Wert 25 Mal so hoch wie sonst üblich. (dapd)

    Eine etwas ältere Nachricht:
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750817-2,00.html
    14.03.2011 [22.28 Uhr]
    +++ Verseuchtes Wasser wird ins Meer geleitet +++
    Die japanische Atomaufsichtsbehörde Nisa bestätigte der Nachrichtenagentur dapd, dass radioaktiv verseuchtes Wasser aus den Reaktordruckbehältern im Atomkraftwerk Fukushima direkt ins Meer zurückgeleitet wird. Welche Folgen das genau hat, ist nach Greenpeace-Angaben nicht abzusehen

    http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/japanische-regierung-richtet-krisenzentrum-ein/3950860.html
    14.03.2011, 23:43 Uhr
    Zum Kühlen genutztes radioaktiv verseuchtes Wasser wird unterdessen aus den Reaktordruckbehältern direkt ins Meer zurück geleitet, wie die japanische Atomaufsichtsbehörde NISA der Nachrichtenagentur dapd auf Nachfrage bestätigte.

    Anders ausgedrückt: Sie wussten was sie taten, und NISA wusste es auch.

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