Fukushima, alles unter Kontrolle…

Liest man zwei Wochen nach dem schrecklichen Beben, dem noch viel schrecklicheren Tsunami, die  offiziellen Verlautbarungen der japanischen Regierung, der İAEA, so wird dauernd der Eindruck erweckt, als sei die Anlage Fukushima 1 zwar arg beschaedigt, aber unter Kontrolle.

Anders gesagt: Als sei man Herr der Dinge und nicht Getriebener unvorhersehbarer und sich stündlich aendernder Entwicklungen.

Es scheint für Japan unheimlich wichtig zu sein, dieses İmage aufrecht erhalten zu können. Der Grund wird schnell klar, wenn man die morgendlichen Börsen- und Anlage-News etwas durchliest. Da wird naemlich knallhart auf Aufschwung und zusaetzliche Renditen (wegen Beben und Wiederaufbau etc.) spekuliert.

Die immer weiter um sich greifende Verstrahlung wird zwar kommuniziert, doch sieht man darin keine grösseren Probleme, auch wenn das Andere völlig unterschiedlich handhaben. Jüngstes Beispiel:

Eine Meldung von Reuters: “

Verstrahlte Menschen aus Japan in China eingereist

Die chinesische Gesundheitsbehörde hat bei zwei Reisenden aus Japan eine hohe radioaktive Verstrahlung festgestellt. Das Paar sei auf dem Luftweg nach Wuxi in Ostchina eingereist, teilte die Behörde am Freitag mit. Die gemessene Radioaktivität liege deutlich über dem Grenzwert.

Nachtrag!!!! 11:19:Sie lebten in einem Umkreis von 200 bis 350 Kilometern von der havarierten Atomanlage Fukushima. Kleidung und Gepäck der beiden seien zerstört worden, teilte die Behörde für Qualitätssicherung, Kontrolle und Quarantäne weiter mit.

Es ist offensichtlich, immer mehr Menshcen riskieren, einer Bestrahlung ausgesetzt zu sein, von welcher sie wenig wissen, und über deren Ausmass taeglich neue, sich widersprechende İnfos kursieren. Auch der Regierung selbst ist das nicht mehr geheuer und trotzdem, man will keine weitere Unruhe oder Panik. Diese Haltung erklaert sich in enem  Aufruf von gestern gleich selbst:

„Yukio Edano sagte aber am Freitag, den Bewohnern des Gebiets in einer Entfernung von 20 bis 30 Kilometern um das Kraftwerk Fukushima I werde empfohlen, sich freiwillig in weiter entfernte Regionen zu begeben. Diese Empfehlung erfolge nicht aus Sicherheitsgründen“

Wenn also nicht aus Sicherheitsgründen, aus welchen Gründen denn sonst, soll man all sein Hab und Gut verlassen?

Hier passiert etwas mehr als Ungewöhnliches: Die Regierung ordnet nicht an, sondern empfiehlt, überlaesst den Entscheid den Betroffenen und drückt sich vor der Verantwortung. Dies in einem Land, in welchem der Bürger gerade in Katastrophen von der Regierung bedeutend mehr Denken für das Gemeinschaftswohl erwarten, als dies bei uns der Fall ist.

Vor 8 Tagen hiess es von Seiten des Betreibers TEPCO, Strom werde herangeführt und innerhalb von zwei Tagen würden die verschiedenen Zentralen wieder mit Normalstrom versorgt sein. (Damit erweckte man den Eindruck, anschliessend habe man die Sache im Griff..)

İnzwischen ist eine Woche vergangen, die Arbeiten kommen nicht voran, im Gegenteil: Die Probleme werden immer komplexer, Arbeiter im Werk müssen immer haeufiger evakuiert werden und die gesamte Anlage mit den Blöcken 1-4 geraet in einen immer desolateren und kritischeren Zustand.

Ein Super-GAU in Raten. Wenn man vor einer Woche Fachleuten aus Russland und den USA unterstellt hat, sie spraechen im Falle von Fukushima von einem Störfall, der sich nicht mit Harrisburg oder Tschernobyl vergleichen lasse, so muss man ihnen heute wohl zugestehen, dass sie bezüglich der Problematik und den Eigenschaften unstabiler Reaktoren sehr wohl wissen, wovon sie sprechen und leider Recht zu behalten scheinen.

Technischer, aber vermehrt auch menschlicher Tod auf Raten,  von Kontrolle kann keine Rede sein. Es waere allerhöchste Zeit, diesen Unfall auch so einzustufen.


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