Fukushima: Der mediale Reaktor-Tunnelblick

Eine Woche  News-Ticker auf allen Kanaelen zum Thema Fukushima liegt hinter uns. Langsam rutschen neue, aktuellere Ereignisse nach oben. Ja, es ist auch mühsam, immer wieder von „Fortschritten“ berichten zu müssen, welche Verantwortliche vor Ort sehen wollen und kommunizieren, waehrend in Tat und Wahrheit dieses AKW kollabiert. Es entsteht eine Überfütterung mit Meldungen, welche das Wesentliche ausschliesst und Nebensaechlichkeiten ins Zentrum rückt. Weiterhin dominieren İnfos in Richtung „plant“, „beabsichtigt“ „erwartet, dass  “ usw.  Ganz selten liest man eine Meldung im Sinne von „wurde erreicht“ und wenn doch, wird das wieder ausgelöscht durch eine neue Horrormeldung.. Seit mehr als zehn Tagen laesst sich ein eindeutiger Trend ablesen:“Es wird immer schlimmer“. Super-Gau in Raten.  Kommuniziert wird das jedoch von offizieller Seite nicht.

Das hat wohl einen Grund. Würde man dies öffentlich eingestehen, müsste man sich auch aus der Bevölkerung unangehme Fragen stellen lassen. „Was passiert mit uns?“ Genauso wie beim AKW hat man auch hier keine Antworten. Also spricht man weiterhin von „Druck steigt, Druck faellt“ und „vorsichtigem Optimismus“, pumpt hochgradig vergiftetes Wasser ab, ohne zu sagen, was damit geschehen wird usw usw.

Am 17.3. habe ich folgenden Beitrag geschrieben: Japan: Das Undenkbare jetzt denken

İnzwischen sind 10 Tage vergangen und wir naehern uns schneller als uns lieb sein kann, dieser skizzierten Realitaet.  Nach dem fürchterlichen Tsunami steht eine weitere Katastrophe vor der Türe, welche in ihrem Ausmasse noch gravierender sein wird. Diese wird in ihrem Ausmasse NİCHT beschrieben, davor fürchten sich alle.

Wann werden die Menschen in den Mittelpunkt dieses GAU’s gestellt? Braucht es tatsaechlich Greenpeace vor Ort, bis die dortige Bevölkerung und wir Messdaten aus den 150-Kilometer-Zonen um das Kraftwerk herum kriegen, welche auch publiziert werden? Und was soll man den Menschen , welche in diesem Gebiete leben, sagen? „Bleibt und harrt aus, es wird schon nicht so schlimm werden?“

İch bleibe bei meiner Auffassung, dass zu diesem Thema schon laengst ein international breit abgestützter Masterplan, welcher auch temporaere Evakuierung ins Ausland beinhalten muss, haette anlaufen sollen. Es ist dies ein Gebot der Menschlichkeit. Wenn es denn nötig werden sollte, stehen logistische Kapazitaeten bereit, wenn man das nicht brauchen sollte, um so besser. Aber man hat nach menschlichem Ermessen alle Vorkehrungen getroffen.

Stattdessen wird an der Börse munter auf wirtschaftlichen Aufschwung oder Ruin Japans spekuliert, wird ein wirtschaftlicher Zusammenbruch der drittgrössten İndustrienation so gut wie ausgeschlossen und laesst sich lesen, dass Japan die Folgen dieser Katastrophe alleine werde schultern können… Angesichts dieser Bilder finde ich die Aussage reichlich vermessen.

Bezüglich der Bewaeltigung der Havarie von Fukushima scheint mir das ausgeschlossen, denn noch können die Folgen überhaupt nicht abgeschaetzt werden. Diese Verstrahlung hat erst richtig begonnen und wird über Monate weitergehen.   Sollten grossflaechige Verstrahlungen stattfinden, dann kann schlicht und ergreifend in mehreren wichtige Zonen Japans auf Jahre hinaus nicht mehr produziert werden, so einfach ist das… Dass im Westen bereits jetzt verschiedene Betriebe mangels Zulieferteilen ihre Produktion runterfahren müssen, ist erst ein Anfang.

Und so komme ich über die Wirtschaft erneut zu den Menschen in Japan?  Was passiert mit ihnen? Schauen wir weiterhin zu, „was Japan machen wird“ oder wird endlich auch medial Druck aufgebaut, nicht nur auf technischer Seite, sondern vor allem hinsichtlich humanitaerer Grenzwerte  international gültige Standards zu befolgen? Das heisst im Moment: Raeumung des 80-Kilometer-Radius und ich bin mir sicher, der wird sich in Kürze verdoppeln.

Das wollen wir und die Medien offenbar nicht sehen. Wir grenzen den Blickwinkel ein, setzen Scheuklappen auf, fokussieren auf das Kernkraftwerk und tragen damit möglicherweise dazu bei, dass Japan innert einiger Wochen völlig im Chaos zu versinken droht.

DANN werden wir wohl wach, denn DAS würde auch Folgen für die gesamte Weltwirtschaft, also auch uns, haben. Tragisch, dass es offenbar soweit kommen muss.

 

 

Advertisements

Ein Kommentar zu “Fukushima: Der mediale Reaktor-Tunnelblick

  1. Da stehen wir nun vor den Scherben unseres Handelns.
    Billig muß es sein.
    Diese Denkweise bestimmt die Märkte – und nicht nur diese.
    Der Strom darf nichts kosten.
    Da kann nichts für solide Auslegung oder gar Schadensbegrenzung verschwendet werden.
    Auch nicht wenn wir das „Höllenfeuer“ entfacht haben.
    Ist es nicht mehr zu gebrauchen, dann schmeissen wir es weg.
    Geht doch ganz einfach mit einem Mausklick.
    Und was soll das „gefühlsduselige“ Gelabbere um die Menschen!
    Schauen wir mal nach Lybien.
    Bis jetzt war uns der Gaddafi ja egal, hauptsache er hat uns mit Öl beliefert und unsere Waffen abgekauft (das gilt auch für den Irak und andere Länder).
    Jetzt wo er uns wegen Forderungen unsererseits nach mehr Demokratie in seinem Land vieleicht den Ölhahn zudreht, ist Handeln angesagt.
    Jetzt unterstützen wir Leute, von denen wir garnicht wissen, ob diese nicht geauso regieren werden.
    Aber das spielt keine Rolle, wenn diese nur den Hahn schön offen lassen.
    Anders ausgedrückt, Erdöl ist eine „endliche Ware“ auf unserem Planeten – der Mensch dagegen ist eine nachwachsende Ware, die sich, zumindest bis jetzt, auch noch weiter vermehrt.
    Für Öl lohnt es schon Krieg zu führen, außerdem kann man so seine Waffenarsenale erneuern.
    Wenn hingegen mal einpaar hunderttausend Menschen durch radioaktive Strahlung elend draufgehen – egal!
    Oh, die fehlen aber dann den Märkten als Konsumenten – blöd.
    Die Natur zeigt uns einmal mehr unsere Grenzen auf.
    Wir sind halt mal ein Teil der Natur und nicht umgekehrt!
    Nur sind wir, obwohl wir nach unserer Meinung einen Verstand besitzen, nicht in der Lage, endlich zu begreifen, dass es nur eine Zukunft für uns gibt, wenn wir uns entgegen aller religiösen; rassistischen und sonstigen Wahnvorstellungen selbst beschränken.
    Beschränken in der Anzahl der Menschen auf diesem Planeten, beschränken im Verbrauch von Bodenschätzen, im Verbrauch von Energie, …….. .

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s