Fukushima: Spaete Einsicht – hoher Preis

Es mag an einer andern Kultur liegen, dass wir uns Europaer mit der İnformationspolitk der japanischen Regierung und des Fukushima-Betreibers TEPCO schwer tun.

Es mag mit der speziellen Situation der Grossregion Fukushima mit rund 2 Mio Menschen im Umkreis von 80 Kilometern um das Kraftwerk zu tun haben, dass man mit einer eher zurückhaltenden und teilweise nichts sagenden Berichterstattung von  offizieller Seite konfrontiert ist.

Es mag zusaetzlich mit der ausgepraegteren kritischen Haltung in Europa zu tun haben, dass Wissenschaftler und Journalisten schon wenige Tage nach dem Reaktorunfall diesen als gravierend und in seinen Folgen noch lange nicht absehbar bezeichneten. Gleichzeitig mehrten sich die Stimmen auch aus Frankreich, den USA und vieler NGO’s, zumindest die Bevölkerung um das havarierte AKW zu schützen.

Nun scheint diesbezüglich Einiges in Bewegung zu kommen. Die Regierung kündigt eine Ausweitung der Evakuierungszone an, wobei dies schwrepunktmaessig erfolgen soll. Allerdings gibt man gleichzeitig einen Zeitraum von einem Monat für die Umsetzung dieser Massnahme an.

Gestern nun hat die japanische Atombehörde den Vorfall Fukushima von Stufe 5 auf 7 erhöht. Endlich! Erwaehnenswert ist die Begründung. Demnach sei der Ausstoss von Radioaktivitaet  in der Zeit vom 15.-17. Maerz extrem hoch gewesen und man sei auf Grund dieser Tatsache gezwungen, die Schwere des Unfalls provisorisch hochzustufen. eine endgültige Beurteilung werde von der İAEA vorgenommen. Im Weiteren sei es so, dass die Radioaktivitaet in Fukushima taeglich abnehme, also kein Grund zu weiterer Besorgnis bestehe. Der Zustand der Reaktoren könne als stabil bezeichnet werden.

Am selben Tag aeussert sich auch TEPCO, allerdings völlig anderslautend. Demzufolge schliesst der Betreiber nicht aus, dass die noch austretende Menge Radioaktivitaet aus Fukushima die Werte von Tschernobyl übersteigen könnte.

Vier Wochen nach dem 15. Maerz wird also der GAU kommuniziert. Wie muss das auf die Bevölkerung wirken, welche in der weiteren Region um das AKW lebt? Bis zum 12.April wurde ihnen vorgemacht, sie könnten sich in Sicherheit wiegen, es sei nichts zu befürchten. Nun sei die Situation besser, aber damals war sie offenbar schlimm. Wie muss man sich da fühlen?

Ich frage mich, wie und wann diese Regierung und der mit ihr verbandelte Kraftwerksbetreiber eine Vertrauensbasis zur Bevölkerung, den Medien und den nicht unwichtigen Nachbarstaaten herzustellen gedenkt.Derzeit kann man dieses Fundament nicht erkennen, denn was heute galt, ist morgen bereits durch neue Fakten als falsch entlarvt. Das darf in dieser komplexen Thematik nicht sein und laesst sich auch nicht mit kulturell andern Gepflogenheiten erklaeren, denn es geht um mehr:

Seit mindestens 3 Wochen fühlen sich internationale Atomkonzerne weltweit, die angrenzenden Nachbarstaaten, internationale Fachleute und die Medien an der Nase rumgeführt. AKW-Skeptiker können mit Recht auf die miserable İnformationspolitik und das teilweise mehr als dilettantische Krisenmanagement verweisen, dies der Atomindustrie generell vorwerfen. So gesehen strahlt Fukushima weit über die Region hinaus, wie man gerade in Deutschland verfolgen konnte.

Besonders nachdenklich stimmt jedoch die Tatsache, dass im Falle Fukushima offensichtlich die wirklichen Gegebenheiten verschleiert und erst im Nachhinein kommuniziert werden. Leidtragende sind die Menschen, welche in den betroffenen Gebieten leben und sich angesichts der nun von der Regierung eingestandenen Probleme völlig ohnmaechtig fühlen müssen. Ob das auf Dauer gut gehen wird?

 

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