Duisburg, nach einem Jahr

Die Zeit vergeht und viele haben genau auf diesen Faktor gesetzt. Sie tauchten buchstäblich ab, standen für Interviews nicht zur Verfügung und sassen die massiven Proteste der Bevölkerung im Bunker aus. Ja, ich spreche von den schrecklichen Vorfällen anlässlich der Love Parade.

Recherchen

…von Fachleuten haben ergeben, dass eigentlich nichts passiert ist, was nicht schon im Ablaufplan der Veranstaltung skizziert wurde. Beispielsweise wurden die Zuschauerströme für den fraglichen Zeitraum ziemlich exakt berechnet, allerdings hat man unterschlagen, dass der Tunnel, durch den alle mussten, diese Menschenmassen zu nur 60% zu schlucken vermochte. Die Katastrophe war also programmiert.

Die Wissenden

Nun ist ja niemand so doof und übersieht derart entscheidende Details. Insbesondere  Beamte verschiedener Abteilungen der Stadtverwaltungen haben offensichtlich mehrfach auf diese Probleme hingewiesen und noch zwei Wochen vor der Veranstaltung einen  mehrseitigen Mängelbericht abgegeben, darunter auch der Hinweis auf fehlende Lautsprecheranlagen für Durchsagen. Wohin diese Berichte gesandt wurden, wer also Kenntnis davon hatte, wird wohl in Kürze offengelegt werden. Was hat dazu geführt, dass verschiedene Beamte zuletzt wider besseres Wissen ihre Unterschrift unter die Bewilligung setzten?

Die Bluffer

Noch wenige Tage vor der Veranstaltung traten OB und Veranstalter vor die Medien und erläuterten ihre Erwartungen in Sachen Besucher. Die Millionengrenze soll überschritten werden, posaunen die Herrschaften, wissend, dass diese Menge Leute nicht durch den Tunnel geschleust werden kann. Im Nachhinein wird diese Aussage relativiert. Man habe lediglich aus Marketinggründen zu dieser Zahlenhochstapelei gegriffen… Ein dreifach Hoch auf das Marketingkonzept-Sauerland.

Die Entschuldigung

Sie kam eigentlich nie, vor allem von Seiten des OB. Das, was er aber jetzt abgeliefert hat, ist schon krass: „“Als Oberbürgermeister dieser Stadt trage ich die moralische Verantwortung für dieses Ereignis. Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, mich an dieser Stelle bei allen Hinterbliebenen und Geschädigten zu entschuldigen“ las er von einem Blatt ab (Quelle)

Erschreckend: Der Herr stellt sich also vor seine Bürokratie und übernimmt wie ein Held die „moralische“ Verantwortung und erwartet wohl noch Applaus. Er suggeriert damit Verantwortungsgefühl, wobei in Tat und Wahrheit grob fahrlässiges Handeln und verantwortungsloses Festhalten an einem hoch riskanten Mega-Anlass als Vorwurf im Raume steht. Dies vor dem Hintergrund eines Untersuchungsberichtes, der scheinbar sehr kritisch ausfällt und (wohl aus diesem Grunde?) geheim bleiben soll. Dieses Dossier darf  nicht unter Verschluss bleiben , zu gross ist das öffentliche Interesse.

Nach dessen Veröffentlichung  wird sich auch die Frage nach moralischer Verantwortung erübrigen. Stattdessen werden  politische Verantwortung und strafrechtliche Untersuchung das Thema sein. Hoffentlich.

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