Griechenland gerettet… – und die Banken?

Wieder einmal liegt ein EU-Gipfel zur Rettung Griechenlands hinter uns und einmal mehr wurde ein Milliarden schweres Paket geschnürt, welches dem politisch wie wirtschaftlch maroden EU-Mitglied endgültig auf die Beine helfen soll.

Neu an diesem Paket ist die Tatsache, dass die Banken in einer Form eingebunden wurden, welche einer eingehenderen Betrachtung verdient. Laufende Kreditverträge sollen durch neue mit tieferen Zinsen und längeren Laufzeiten ersetzt werden. De facto heisst dies: Griechenland kann seine Schulden nicht mehr bedienen.  Um dies nicht eingestehen zu müssen, werden vorzeitig die Spielregeln geändert.

Dieser Kunstgriff birgt für die Banken etwelche Risiken. Sie müssen ihre Griechenland-Kredite neu bilanzieren und es ist klar, dass dies zu einer verschlechterten Bilanz führen wird, möglicherweise auch die Eigenkapitallage verschlechtert. Genau diese wiederum war verschiedentlich erbitterter Diskussionsstoff zwischen Finanzwelt und Politikern oder Prüfern.

Dazu ein prakitsches Beispiel: 1991 und 1998 wurden in der Schweiz von sehr vielen Banken Neubewertungen von Immobilien durchgeführt. Die Folge war, dass Häuschenbesitzer ganz seltsame Post kriegten. Dem Sinne nach:

Im Zuge einer Neubewertung der Immobilienwerte hat sich gezeigt, dass der Wert Ihrer Liegenschaft im Vergleich zum Zeitpunkt der Kreditvergabe um 20% gesunken ist. Als Folge sehen wir uns gezwungen, Ihre Hypotheken im entsprechenden Masse zu korrigieren und erwarten von Ihnen den entsprechenden Betrag per…….ansonsten wir uns gezwungen sehen, die Hypothek aufzukündigen.

Wertberichtigung nennt sich das. Wer nicht zahlt, riskiert, dass die Hypothek, sprich das Haus, zum 20% verminderten Wert von der Bank übernommen wird und die 20% als Privatschuld des Häuschenbesitzers in Rechnung gestellt werden… die Bank als Vertragspartner konnte also eingegangene Verträge einseitig lösen und sich von Risiken zu Lasten des Kreditnehmers befreien. Ein sicheres Geschäft, so lange diese Geschäfte im Inland getätigt wurden.

Die US-Blase hat gezeigt, dass dies andere Ausmasse angenommen hatte, die Banken sich nicht mehr von ihren Risiken trennen konnten und plötzlich vor ganzen Stapeln wertloser Papiere standen, die aber in den Büchern Milliardenwerte darstellten.  Gelöst hat man dies, indem der Staat eingesprungen ist, bad banks gegründet und all dieses faule Zeug übernommen hat, auf dass die Bank mit einer gesunden Kreditbilanz dastehe und ihre Geschäfte weiterführen könne…

Wirtschaftsprüfer bemängeln, dass auch heute noch in sehr vielen Banken Wertberichtigungen für Anleihen etc. nicht erfolgt seien, wodurch die Bank zwar eine ausreichende Eigenkapitalquote ausweise, de facto aber weiterhin in einem kritischen Zustand sei, da verschiedene in den Büchern stehende Anleihen noch höchstens 50% Wert hätten.

Und jetzt also Griechenland. Total über 100 Mia € sollen in den kommenden Jahren durch EU- Banken und Versicherer zur Rettung Griechenlands eingeschossen werden, Kreditlaufzeiten um das Doppelte verlängert  und die Zinsen gesenkt werden. Das heisst: Das früher eingeschossene Geld bringt nicht die Rendite, die man prognostiziert hat und um dieses nicht als Totalverlust abschreiben zu müssen, muss sogar weiteres Geld eingeschossen und der Zeitrahmen für eine Rückzahlung erweitert werden.

Das wiederum heisst, dass unter normalen Voraussetzungen jede Ratingagentur die Banken erneut einer sehr kritischen Prüfung unterziehen müsste, denn die Anleihen und Kredite nicht nur Griechenlands, nein auch Italiens Papiere sind derzeit offensichtlich Wackelpositionen.

Die Rettung Griechenlands könnte also gleichzeitig neue Probleme für den Finanzsektor mit sich bringen. Nicht so schlimm, im Hintergrund steht ja dann sicher der Staat mit einem neuen Rettungsschirm…

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