Wirtschaft: Der bange Blick auf die Börsen

Heute werden wohl nicht nur Börsianer mit etlichem Unbehagen ihren Arbeitsplatz aufsuchen. Genau so nervös dürften sich Politiker laufend über die Entwicklung an den Börsen  informieren lassen, denn heute ist eine Herkulesaufgabe angesagt: Verhinderung eines tiefen Falls (ich vermeide das Wort Crash bewusst), der nach den Regeln der Märkte eigentlich erfolgen müsste.

Grosse Unsicherheiten in der EU, Abstufung der Bonität für die USA, etwas was es noch nie gab.Verbunden damit sind ganz harsche Reaktionen aus China, welches eine weitere Weltwährung einfordert und damit offensichtlich die eigene Landeswährung meint. Damit würde der Dollar zusätzlich geschwächt. Das ist der Mix, welcher heute bewertet wird.

Wie dramatisch die Situation ist, mag die Tatsache zeigen, dass  EU-Spitzendiplomaten und Europäische Zentralbank noch gestern Nacht zusammengekommen sind um „beruhigende Signale auszustrahlen“. Diese bestehen darin, dass man antönt, es sei vorstellbar, einen Teil der Italien-Verbindlichkeiten durch die EU-Zentralbank aufzukaufen und damit den Druck vom Lande zu nehmen.  Ein Vorgang, der in den Partnerländern bisher sehr umstritten war.

In der Tat muss natürlich gefragt werden, was diese Übung mittelfristig für einen Sinn macht, schwächt er doch letztlich die EU als Ganzes, welche bei Umsetzung dieser Pläne Gefahr läuft, eines Tages selbst in den Blickwinkel der Spekulanten zu geraten, denn wohin es führt, wenn einfach immer mehr Geld in Umlauf und Schulden angehäuft werden, das hat man letzte Woche in den USA erleben müssen.

Das Zittern heute geht also weiter und einmal mehr ist festzuhalten: Es ist  die Börse, welche bestimmt, ob die Wirtschaft brummt oder nicht.. Sie brummt derzeit vor allem in Deutschland. Wenn nun im Laufe des Tages auch die europäischen Börsen absacken sollten, spricht man von Crash, von sich abzeichnender Krise und alle Wirtschaftskapitäne treten auf die Bremse. Dann kommt die Abkühlung oder die Rezession… Seltsame Logik.

Wer das nur scheinbar machen wird, ist China,ist Indien. Da wird mit Sicherheit weiter produziert und selbst ein grosser Ausfall in den USA wird die neue und für europäische Verhältnisse ungemein liquide Wirtschaftsmacht kaum schwer erschüttern. Sie lässt sich nicht erschüttern. Das ist wohl der Unterschied, gegen den wir ziemlich erfolglos in Klein-Klein-Aktionen anzukämpfen versuchen.

Noch eine Anmerkung am Rande: Die Zurückstufung verschiedener europäischer Länder durch die Ratingagenturen wurde in Europa natürlich kritisiert. Verschiedentlich wurde dies auch als Einflussnahme der USA und nur bedingte Unabhängigkeit der Agenturen dargestellt. nachdem nun auch die USA zumindest von einer Agentur  bezüglich Bonität zurückgestuft wurde, hagelt es harsche Kritik aus den USA: Rechenfehler, verantwortungslos usw. Das sind noch die harmloseren Ausdrücke…

Ob es wohl in Kürze AAA Ratingangenturen und AA+ Agenturen geben wird? Die Triple A wären dann diejenigen, welche die USA niemals zurückstufen würden. Spannend, denn es besteht ja momentan die Situation, dass eine Agentur vorgeprellt ist, was werden die beiden Andern wohl unternehmen? China gibt schon längst nur noch ein A+…..

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