9/11 New York: 10 Jahre unter Generalverdacht

Morgen wird der schrecklichen Anschläge auf die World Trade Towers gedacht. Nicht die spektakulären Bilder, sondern das stille Gedenken für die rund 3000 Opfer müsste eigentlich angesagt sein. Ich bin mir jedoch sicher, dass  weitere Minutenprotokolle, möglicherweise tolle Verschwörungstheorien etc. diesen Gedenktag überschatten werden. Ich möchte deshalb einen anderen Aspekt beleuchten, welcher mir gesellschaftlich und weltpolitisch relevanter erscheint.

Terroristischer Akt von Extremisten und Amerikaner-Hass

Eine Gruppe unter Führung des schwerreichen Osama Bin Laden fasste ab 1996 den schwer wiegenden Beschluss, es sei Pflicht jedes Muslims, Juden und „Kreuzfahrer“ aus dem nahen und mittleren Osten zu vertreiben. Zu diesem Zwecke wurden Terroranschläge auf US-Basen in Jemen und Bahrein, Hotels und als spektakulärster Akt sicher die Anschläge vom 11.09.2001 in New York geplant und durchgeführt. Ziel all dieser Aktionen: US-Armee und Zivilbevölkerung an möglichst empfindlichen Orten treffen und dies mit so vielen Toten wie möglich.

Eine Strategie, in welche einige hundert Leute eingebunden waren und erst nachdem diese US-Feindlichkeit auf eine religiöse Basis gestellt, von einigen geistigen Führern mitgetragen wurde, erst ab dann war Al Kaida richtig handlungsfähig. In den Jahren zuvor spielte Bin Laden in Afghanistan beispielsweise eine eher bescheiden Rolle, oft mit Misserfolgen verbunden. Ein Fanatiker, aber intelligent und vor allem begütert.

Nach 9/11: Die muslimische Welt wird in Generalhaft genommen

Es ist  noch nachvollziehbar, dass in den ersten Monaten nach diesem Terrorakt beim Wort Muslim viele Menschen ein mulmiges Gefühl beschlich. Nicht nachzuvollziehen war und ist bis heute jedoch die politische Reaktion  der USA und des Westens. Dieser Anschlag wurde (mit offensichtlich ganz schlechter Aktenlage der Geheimdienste) zum Anlass genommen, „die Verhältnisse“ im Nahen Osten neu zu ordnen. Was kam, wissen wir: Verstärkter Afghanistaneinsatz, welcher bis heute andauert und immer verlustreicher wird. Der Irak-Krieg, durchgedrückt mit nachweislich gefälschten Dokumenten aus der Administration Bush war eigentlich völkerrechtswidrig. Heute wird über Abzug gesprochen, über die innenpolitische Situation im Irak und die weiterhin stattfindenden Kämpfe und Anschläge mit vielen Toten schweigt man sich lieber aus. Aber schon mal etwas gehört vom Immunitätsabkommen der USA mit mehr als 50 Staaten, welche die Auslieferung von US-Bürgern an den Strafgerichtshof Den Haag verhindert?

Muslime in Kollektivhaftung

Plötzlich war sie da, die Gefahr durch die „Muslime“. Das muss man sich heute vor Augen führen: Rund 1,6 Milliarden Muslime sind plötzlich potentielle Attentäter und erfahren dies im täglichen Leben auf Schritt und Tritt aus den Medien und falls sie im Westen wohnen  tagtäglich. Man spricht nicht von einer Terrorgruppe, sondern vom Islam, welcher die Welt bedroht. Dass genau diese verallgemeinisierende Haltung letztlich viele Muslime in religiös-radikale Lager treiben kann, scheint man geflissentlich in Kauf zu nehmen. Und noch was: Noch nie war es so einfach, primitiven Rassismus und Religionsfeindlichkeit auszuleben, dies mit Auswirkungen bis heute.

Wirtschaftliche Interessen West gegen demokratische Entwicklung Nahost

Es ist korrekt, diese Terroristen wollten den Westen aus dem Nahen Osten drängen. Eigentlich hat man sich nie mit der Frage befasst, was denn die Gründe dafür sein könnten. Bin Laden nannte einen: Ausbeutung des Volkes und privilegierte Behandlung der Stabilität garantierenden Regimes durch massive Hilfen der USA. Sie setzten eine Staatsordnung mit sehr rigorosen Mitteln um und seltsamerweise schaffte es ja sogar ein Gaddafi nach dem schweren Attentat von Lockerbie auf einen Jumbo-Jet im Jahre 1988, wieder aus der Liste der Terroristen gestrichen und von westlichen Staatsmännern hofiert zu werden.

Heute, 10 Jahre nach diesen Anschlägen wäre es auch an der Zeit, bezüglich des politischen Umfeldes von 2001 zu neuen Bewertungen zu kommen. All das hatte eine Vorgeschichte, hat sich gesteigert  und endete mit den katastrophalen Anschlägen, dem nachfolgenden wütenden und blinden Zurückschlagen des Westens. Erst heute sehen wir, dass nun nach und nach alle diese Staaten unstabil werden, Regimes in die Wüste verbannt werden (Iran und Schah lassen grüssen), früher als stabil und Verbündete des Westens geltende Regierungen plötzlich Diktaturen genannt werden usw.  Wir gestehen uns aber nicht ein, dass es unsere Militärhilfe, unsere Protektion waren, welche diese Diktaturen überhaupt erst entstehen liessen.

Nichts gelernt

Erschreckend ist die Tatsache, dass diese Art Feindbild, wie wir es nach 2001 aufgebaut kriegten, bis heute Bestand hat. Mit allen Mitteln wird versucht, diese korrupten Herrschersysteme  aus strategischen oder wirtschaftlichen Gründen im Sattel zu halten, im „Kampf gegen den Terrorismus“. Und genau damit legen wir einen Grundstein FÜR Terrorismus und Radikalismus.

Beispiel Jemen. Da wird ein Regent gestützt, welcher seit 1978 an der Macht ist, ansonsten ein bitter armes Land.

Beispiel Bahrein Hochinteressant, wenn man dies liest: „Scheich Isa bin Salman Al Chalifa erklärte am 14. August 1971 die Unabhängigkeit. Er schloss einen Tag später einen Freundschaftsvertrag mit Großbritannien und erklärte sich zum Emir. Seit 1971 befindet sich auf Bahrain ein US-amerikanischer Luft- und Flottenstützpunkt. Iran hatte bis weit ins 20. Jh. hinein Ansprüche auf Bahrain erhoben und sich dabei auf die einstige persische Herrschaft berufen. Erst im Januar 1970 erkannte das von Schah Mohammad Reza Pahlavi regierte Land die Souveränität des Landes an. Im Februar 1979 wurde diese Vereinbarung wieder rückgängig gemacht; seitdem erhebt Iran erneut Ansprüche auf das Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich schiitisch ist. 1973 erhielt Bahrain eine Verfassung und es wurden Parlamentswahlen abgehalten. 1975 wurde die Verfassung ausgesetzt, das Parlament aufgelöst und die absolute Monarchie des Chalifa-Clans proklamiert. Erst 1993 wurde wieder eine Ratsversammlung (Madschlis asch-Schura) eingesetzt. Im Dezember 1998 flogen US-amerikanische Bomberflugzeuge vom Typ B-1 vom Scheich-Isa-Luftwaffenstützpunkt Luftangriffe gegen den Irak. Im März 1999 starb Emir Scheich Isa, woraufhin sein Sohn Scheich Hamad bin Isa die Regierungsgeschäfte übernahm.“ (Wikipedia). Clanwirtschaft seit 40 Jahren und überall flammen nun Proteste auf.

Erst wenn offensichtlich wird, dass das System nicht mehr zu halten ist, wird es gegeisselt und die Opposition unterstützt.

Ob dies die Glaubwürdigkeit des Westens in den arabischen Ländern erhöht? Vor allem aber: Wenn von US-Feindlichkeit gesprochen wird, sollte man diese Beispiele nicht verdrängen, im Gegenteil: Sie müssen in die Bewertung VOR dem 11.09.2001 einbezogen werden.  Erst dies erklärt, weshalb ein Bin Laden, eine so genannte Al Kaida überhaupt erst entstehen konnte.

Die Ereignisse nach 9/11, vor allem die letzten 8 Monate mit dem Namen arabischer Frühling und all dem , was da nun an Ungeheuerlichem ans Tageslicht kommt (US- und europäische Geheimdienste arbeiteten über Jahre mit lybischem Geheimdienst zusammen etc.), zeigen überdeutlich, dass sich politisch eben überhaupt nichts geändert hat. Wirtschaft und strategische Interessen heiligen alle Mittel und das noch so korrupteste System, solange dieses obige  Interessen nicht antastet…

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