Der neue Trend: Zocken auf dem letzten Drücker…

Es muss ein ganz besonderer Reiz für viele Leute sein, dauernd mit einem Bein im absoluten Fiasko, vor dem drohenden Wirtschaftskollaps oder dem politischen Bankrott zu stehen. Gierig werden sie dabei begleitet von Medientrupps, welche sich mit Last-Minute-News nur so überbieten. Roboterhaft äussern sie sich dann vor dem Medienpulk und zwar in einer Form, welche jegliche Betroffenheit, jegliches persönliche Engagement vermissen lässt. Sie kommentieren nichtssagend und alternativlos den eigenen Niedergang. Nachdem man das dann alles gelesen hat, fühlt man sich ohnmächtig und klein, baut aber gleichzeitig eine bestimmte Aggression gegen die Leute auf, welche Solches inszenieren.  Ob dies der Nährboden für die Wutbürger ist? Einige Beispiele?

USA und Staatsbankrott

Über Wochen beherrschte dieses Thema die Schlagzeilen. Letztlich ein parteipolitisches Geplänkel zu einem Thema,bei welchem von vornherein klar war: USA wird weiterhin Schulden über Gebühr erhöhen müssen. Bis auf den praktisch letzten zulässigen Tag blockierten sich zwei Parteien, fügten Börsen und der amerikanischen Wirtschaft einen unermesslichen Schaden zu und einigten sich zum Schluss auf einen Kompromiss, der keiner ist, denn in der Aussage wurden die wichtigen Punkte nur vertagt. Alle durften aufatmen: Noch einmal ist der Kelch des Staatsbankrottes, einer neuen Weltwirtschaftskrise an uns vorüber gegangen… Auf ein Neues..

Griechenland, Italien, Frankreich

Seit Jahren wird Griechenland aufgefordert, endlich überfällige Strukturreformen durchzuführen und befand sich laut EU-Kommissaren „auf einem guten Weg“, wären da nicht gewaltige Bilanz- und Bewertungsfälschungen Grundlage dieses guten Weges gewesen. In der Gewissheit: Es wird sicher geholfen, schlidderte der Staat weiter. Die Androhung, dass nun fällige und in den kommenden 10 Tagen dringend benötigte Hilfsgelder nicht bezahlt würden, haben bewirkt, dass die Verwaltung sich zu Zusagen hinreisst, welche schlichtweg Untergang und Chaos bei den Hellenen provozieren würden. Via Telefonkonferenz wird mitgeteilt,, bis zu 150 000 Staatsstellen abzubauen (in Griechenland seit 1921 unkündbar..) und all das einzusparen, was man in den vergangenen Jahren unterlassen hat. Toll. Das alles in Erwartung weiterer Milliarden, denn wir wissen schon: ansonsten droht die Pleite. Was immer das auch letztlich heissen mag.

Italien wird abgestraft und kriegt eine schlechtere Bonität. Klar. Die Reformen Berlusconis, welche mehrheitlich NACH seiner Regierungszeit hätten umgesetzt werden sollen, haben an der momentanen Lage der Nation nichts geändert. Nun also teureres Geld, schlechtere Aussichten für die Wirtschaft und und und. Sollte Griechenland nicht pleite gehen, kann man hier mit neuen Spekulationen beginnen.

Frankreich, eigentlich weit oben in der EU-Pyramide, sieht sich plötzlich auch in die Enge getrieben. Die Banken kriegen kein Geld mehr, grosse Fonds ziehen Einlagen ab und so können erneut Hasardeure ihr Glück mit Wetten auf bankrott oder überleben beginnen. Nur, mit der Realität hat das nichts zu tun. Das ist Glücksspiel mit dem Geld anderer.

UBS

Um endlich zu alter Grösse zurückzugelangen wird eine sehr forsche Handelspolitik betrieben, was nun dazu geführt hat, dass ein einzelner Händler rund 2,3 Mia € (ich sag mal: Nach heutigem Stand 2,3 Mia.) verzockt hat. Interessant Folgendes: In einer ersten Stellungnahme hiess es, es seien keine Kundengelder, sondern Eigenkapital der UBS betroffen… Wenn dem so ist, darf man sich erst recht freuen, wurde doch dieses Institut vor noch drei Jahren mit rund 50 Mia Einschuss aus der Schweiz und etwa 12 Mia aus China überhaupt erst vor der Pleite bewahrt. Gelernt haben die Herren offenbar, dass die dünne Eigenkapitaldecke auf Teufel komm raus erhöht werden muss. Den Erfolg sehen wir, den Aktienkurs ebenfalls. Es reicht nicht mehr zu sagen:“Wir wollen nächstes Jahr 15 Mia Reingewinn“, nein, man muss dafür auch etwas tun und das können nicht hochspekulative „Optionen auf Optionen“ rund um die Uhr sein, abgedeckt durch Steuerzahler.

Der Eigenkapitalrenditewahnsinn im Dienstleistungssektor gehört verboten, genauso so, wie man es bei Wucherzinsen im Kreditbereich bereits gemacht hat. Nur eben, was riskiert man nicht alles, um einer drohenden Abwertung durch die Rating-Institute zuvorzukommen? Man zockt auf dem letzten Drücker.

FDP

Die smarte Gel-Truppe der FDP-Führung probiert das natürlich auch aus, politischer Lucky-Punch. Ohne Rücksicht auf Verluste wird wenige Tage vor der Berlinwahl der (gemeinsame) Regierungskurs verlassen und sehr populistisch EU-Politik, Griechenland-Pleite, Griechenland-Austritt aus der EU etc an die Plakatwände geklebt  und in Broschüren verpackt. Tolle Wortschöpfung: Geordnete Insolvenz. Alles klar?  Immerhin, die Wähler waren mündiger als die FDP-Strategen, wollten zu Berlin abstimmen und haben die FDP erneut abgestraft. War also nichts mit diesem Auskeilen.

Toll finde ich, dass der FDP-Vorsitzende, Wirtschaftsminister und Vizekanzler (noch immer leisten sich Politiker eine unglaubliche Ämterkumulation..!!) die Wahlanalyse in einer Form vornimmt, als sei er ein von aussen zugezogener Beobachter.  Auch hier, auf dem letzten Drücker. Denn auch es ist klar: Wo kein Konzept, da keine Zukunft. Es reicht nicht, sich politische Themen auf Grund von Wählerbefragungen zurecht zu biegen…  Aussitzen, nichts sagende Allgemeinplätze, parlieren und unschuldig in die Kamera blicken. Auch diese Zeit ist abgelaufen. Kompetenz ist gefragt und nicht inhaltsloses Gefasel.

Ja, so dürfen wir nun täglich die Untergangsszenarien aus Politik und Wirtschaft im Schlagzeilenspiegel verfolgen. Geht Griechenland jetzt pleite?? Aber nicht doch. Das Geld wird kommen, die Trojka macht eine Telefonkonferenz, der griechische Wirtschaftsminister schickt neue Reformen per Fax und dann fliesst wieder eine kleine Tranche unter der Auflage dass bis zum …. und so kennen wir dann den nächsten fiktiven Pleitetermin Griechenlands – oder soll ich hier USA, UBS, FDP, Koalition einsetzen? -, auf welchen spekuliert werden kann..

Wir sind alles kleine Zocker…

Advertisements

Ein Kommentar zu “Der neue Trend: Zocken auf dem letzten Drücker…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s