Libyen: Der Krieg, den niemand wollte


Wie hat man sich doch wieder mal in die Nesseln gesetzt! Ein Lehrstück oberflaechlicher Diplomatie:

In Tunesien und Aegypten putschen Demonstranten ihre Führer weg. Was in Tunesien als eigentlicher Wirbelsturm innert weniger Tage funktionierte, bedurfte in Aegypten bereits des nachhaltigen Druckes des Militaers, welches als oberste Macht sich auch über den Mubarak-Clan stellte. Trotzdem wurden beide „Revolutionen“ als Erfolg einer neuen Volksbewegung hochgejubelt.

Genauso lief die Medienberichterstattung im Falle Libyens. Eine nicht genauer definierte Oppositionsgruppe wurde in ihren Demonstrationen verbal-moralisch unterstützt und auch die Politiker waren sich nicht zu schade, (vor den Wahlen) wacker an Gaddafi zu rütteln.  So war es dann die Aufgabe der Beobachter und Kommentatoren, dem libyschen Regime noch einige Tage Verweildauer bis zum endgültigen Zusammenbruch zu bescheinigen.  Diesen wollte dann Frankreich endgültig und vorschnell herbeiführen, in der Meinung, ein  Luftschlag und einige Bomben würden das Regime wegfegen. Man waere damit der grosse Befreier geworden

Unterschaetzt hat man offensichtlich, dass der İrre  aus Libyen wohl überrscht gewesen sein mag, was da auf ihn zukam, aber dann mit geballter Kraft und ohne Skrupel jeden, der sich ihm in den Weg stellte, zu liquidieren begann. Leidtragende sind nun vele Zivilisten, welche beidseitig als Schutzwaelle vor gegnerischen Angriffen mit eingeplant werden.

Es kommt aber noch schlimmer. Aus der Luft kommt man Gaddafi nicht bei, das erkennt inzwischen auch die Nato, welche die Führung dieser Einsaetze von den inzwischen erstaunlich kleinlauten Franzosen übernehmen musste. İnsbesondere scheint es auch so, dass die Lager mit geeigneten Bomben sich gefaehrlich zu leeren begonnen haben. Also im Klartext: Man kann den Luftkrieg nicht weiterführen. Was also bleibt ist der Einsatz von Bodentruppen, dafür wiederum gibt es kein Mandat. Dan waeren noch Verhandlungen mit Gaddafi selbst….

Das muss man sich vorstellen!! Die Nato ist gezwungen, mit einem Verbrecher über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Wie der diese Tatsache für sich ausschlachtet, kann sich jedermann selbst ausmalen..

Ja, so haben wir also einen Krieg, den eigentlich niemand wollte, vor dem sich alle fürchteten und das Ende ist nicht abzusehen.

Angesichts dieser bitteren Erfahrung in Libyen schauen wir also schon gar nicht mehr weiter östlich. Das, was in Syrien derzeit ablaeuft, wollen wir  nicht mehr wissen, sonst müssten wir naemlich intervenieren. Heute ist Freitag und es lohnt sich, ab den Nachmittagsstunden über den Google-Ticker zu verfolgen, was in diesem Lande erneut passieren wird. Es lohnt schon deswegen, dass wir nicht sagen können: „Oooch, wir haben überhaupt nicht mitgekriegt, was da abgeht.“

Doch waere es ein Grund, sich mal mit dem zu befassen, was wir bisher als  „stabile Regierungen“ in Nahost definiert haben. Ein Blick in Wikipedia bezüglich der einzelnen Staaten genügt.

Vielleicht waechst dann bei uns das Verstaendnis gegenüber dem immer wieder von Arabarn geaeussertem politischen Hass auf den Westen.

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