Fukushima: Noch präsent?


Der Rücktritt des japanischen Ministerpräsidenten, welcher in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Missmanagement in Sachen Reaktorkatastrophe in Fukushima steht, sollte Anlass sein, wieder mal einen Blick auf die Zustände im havarierten AKW zu werfen.

Sooo leben und arbeiten die Helden von Fukushima noch heute. Wo sind da die internationalen Kontrollbehörden, welche gegen derartige Zustände einschreiten?

Seit Beginn der durch das Erdbeben und den folgenden Tsunami vom 11. März ausgelösten Katastrophe seien 15.000 Terabecquerel Cäsium 137 freigesetzt worden, berichtete die Zeitung „Tokyo Shimbun“.

Im havarierten japanischen AKW Fukushima ist sehr viel mehr Cäsium 137 freigesetzt als 1945 in Hiroshima. Kurz nach dem Atombombenabwurf der Atombombe von Hiroshima im August 1945 seien 89 Terabecquerel des radioaktiven Stoffes freigesetzt worden. Die Zeitung beruft sich auf Berechnungen der Regierung. aus welt.de
Oder die sanfte japanische Umschreibung für das, was wir Sperrgebiet nennen.

 Das Gebiet rund um die Atomruine Fukushima wird möglicherweise noch auf lange Sicht unbewohnbar bleiben. „Wir können nicht ausschließen, dass es einige Gegenden geben könnte, wo es für die Bewohner für lange Zeit schwer sein dürfte, in ihre Häuser zurückzukehren“, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Der unter Rücktrittsdruck stehende Regierungschef Naoto Kan will das nach eigenen Worten möglicherweise noch an diesem Samstag den Menschen in Fukushima vor Ort erklären. weltonline

Dies als kleine Erinnerung. Da war nicht nur was, da ist heute noch was….

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Fukushima: 2023 Bergung der geschmolzenen Kerne?


Langsam nähert sich das ganze Fuskushima-Sanierungskonzept in seinem Ablauf den bisher bekannten Szenarien ähnlicher Havarien an:

Berichten des Fernsehsenders zufolge gehen die japanische Atomenergiebehörde und Tepco davon aus, dass die Aufräumarbeiten in Fukushima noch Jahrzehnteandauern könnten. Demnach könne man erst 2021 mit der Entnahme der in drei Reaktoren geschmolzenen Brennstäbe beginnen. Bis zum endgültigen Abriss der beschädigten Reaktoren könnten laut NHK-Bericht auch Tepco zufolge noch Jahrzehnte vergehen. Quelle spiegel

Nachträglich werden also alle „Panikmacher“ in ihren ganz am Anfang des Fukushima-Dramas gemachten Aussagen bestätigt. 4 Monate brauchte man, um den wirklichen Ernst der Dinge einzugestehen. Von den Kosten sprechen wir noch nicht, gell?

Nun hat ein neues schweres Erdbeben von 7,3 die Region erschüttert. Sofort melden offizielle Stellen und TEPCO, dass keine weiteren Probleme aufgetaucht seien und man lediglich das Personal habe abziehen müssen.

Warten wird ab… wetten, dass wir in den kommenden Tagen von neuen Schwierigkeiten lesen werden?

Fukushima: Alles wie angekündigt


Die Meldungen zur AKW-Katastrophe in Fukushima werden spaerlicher, obwohl eigentlich gerade jetzt viel mehr berichtet werden müsste. Die Nachrichten bezüglich der noch immer in Notunterkünften lebenden Opfer der Tsunami-Welle sind praktisch gaenzlich versiegt. Die Medien haben wieder neue Themen.

Zum AKW:

  • Kernschmelze in Reaktor 1 mit Durchschmelzen des Reaktorbehaelters ist inzwischen von TEPCO bestaetigt. Damit kippt auch der ganze angekündigte Sanierungsplan.
  • Gebaeude 4 mit Ruhebecken 4 im 5. Stockwerk schwer in der Struktur geschaedigt, neigt sich zur Seite… Dieses Becken ist mit über 1000 Brennelementen gefüllt, welche intensivster Kühlung bedürfen
  • Greenpeace misst 65 Kiometer vor der Küste in internationalen Gewaessern Caesium-Belastungen in Algen, welche 5 x höher sind als die Grenzwerte. Das heisst, dieser Stoff ist bereits grossflaechig in der Nahrungskette.
  • İn der Praefektur  Kanagawa (280 km von Fukushima entfernt), werden in Teeblaettern Caesiumbelastungen gemessen, welche über den Grenzwerten liegen. Die Produkte müssen zurückgerufen werden.
  • Strahlenbelastung im AKW selbst so hoch wie noch nie…
Es ist also auch mehr als  zwei Monate nach der Katastrophe klar, dass vor Ort noch immer die Schadensaufnahme im Gange ist und diese Bilanz wird von Tag zu Tag mieser.. Durch ungewöhnliche Kühlungsmassnahmen, weitere Nachbeben werden die einzelnen Komponenten der Reaktoren und Gebaeude zusaetzlich extremen Belastungen ausgesetzt.
Was ablaeuft, ist der prognostizierte schleichende Gau und bis jetzt gibt es keinerlei Anzeichen, dass dieser Prozess aufgehalten werden kann.
Problematisch ist das alles für die Bevölkerung  im Umkreis von rund 300 Kilometern, denn sie wird auf  Dauer bestrahlt und vor allem die Halbwertszeit von Caesium führt dazu, dass diese Werte kontinuierlich steigen werden, so lange diese Ruine strahlt. 
Das ist der grosse Unterschied zu Tschernobyl. Damals trieb die Wolke auf uns zu und wurde natürlich über Wochen aufmerksam verfolgt. Nachdem aber klar ist, dass diese Verstrahlung in Japan auf Grund der andern Reaktorenbeschaffenheit regional sein wird, scheint es doch so, dass wir uns nicht mehr gross damit beschaeftigen müssen oder wollen.
Vergessen geht dabei wohl, dass „regional“ in letzter Konsequenz Japan  als Hauptinsel umfassen wird, angrenzende Laender inklusive und von der Meeresverschmutzung wollen wir lieber schon gar nichts hören, gell?
Fukushima wird uns jedoch noch laenger und intensiver beschaeftigen, als Tschernobyl. Alleine das Strahlenpotential ist um ein  rund Hundertfaches höher als bei Tschernobyl.

Fukushima und Radio Eriwan


Frage an Radio Eriwan: „Darf ich jetzt wieder Äpfel aus Tschernobyl essen?“ – „Im Prinzip ja, aber die Kerne müssen Sie danach in einem Bleifaß vergraben.“ 

Das imaginaere Radio Eriwan: Das war das Ventil, welches die İnfos freisetzte, welche man im damaligen Ostblock besser nicht herumreichte.

Genau so lief und laeuft es in Fukushima ab. Seit vier Tagen weiss man: Die Regierung war von allem Anfang an über die Problematik in Fukushima informiert. Um jedoch in Tokio keine Panik aufkommen zu lassen, verfolgte man eine Hinhaltestrategie. Das mag noch nachvollziehbar sein. Dass man dafür aber waehrend 5 Wochen Hunderttausende einem erhöhten Strahlenrisiko aussetzt, weil man eben auch nicht die nötigen Schutzmassnahmen anordnet, ist eigentlich unentschuldbar.  Es sei denn, man kann den Worten eines hohen Regierungsmitgliedes folgen. „ „Wir haben natürlich immer sichergestellt, eine Lage herzustellen, die es den Menschen erlaubt, ruhig zu reagieren„, sagte Hosono.  Schön gesagt, nicht?  Da leben Hunderttausende in Rahmenbedingungen, unter denen sich die Gesundheitsrisiken taeglich erhöhen.  Man laesst sie da sitzen…

Nun gab es ja einen weiteren Eklat, da vor zwei Tagen ein offizieller Berater der Regierung, seines Zeichens Professor für Atomare Strahlung an der Uni Tokio,  nach knapp zwei Monaten sein Amt unter Protest und Traenen der Wut niedergelegt hat, nicht ohne eine Pressekonferenz zu geben.

Er könne als Wissenschaftler die von der Regierung willkürlich festgesetzten hohen Grenzwerte für den Raum Fukushima, insbesondere auch die Schulen, nicht verantworten und trete aus Protest zurück. Der Mann wird wissen, worüber er spricht und bereits vor ihm haben internationale Experten und Organisationen dieselben Bedenken geaeussert. Man muss also Mitleid und Sorge um die Menschen in diesen Zonen haben, da sie schlicht und einfach übermaessig verstrahlt werden, so sie weiterhin dort bleiben. Eine Sauerei, welche international offenbar hingenommen wird.

Und was meint die japanische Regierung zu diesen Vorwürfen? Ministerpräsident Kan verteidigte hingegen das Krisenmanagement seiner Regierung. „Wir begrüßen unterschiedliche Sichtweisen unter unseren Beratern“, sagte er am Samstag im Parlament. Alles klar?

Ja! Radio Eriwan….

Frage an Radio Eriwan: „Ist es wahr, dass man die Partei kritisieren darf?“ – „Im Prinzip ja, aber es lebt sich in den eigenen vier Wänden viel angenehmer.“

Fukushima: Handlanger, der Not gehorchend


Heute findet man in der taz einen lesenswerten Artikel zum Thema Leih- oder Zeitarbeiter in japanischen Atomkraftwerken. Vermeldet wird, dass in Japan 88% der von AKW’s beschaeftigten Menschen über Drittfirmen und auf Zeit  taetig sind. Dann ziehen sie weiter ins naechste AKW,, in welchem besondere Arbeiten erledigt werden müssen.

Die Tatsache, dass, wer in einem AKW solche Jobs erledigt hat, andernorts keine Anstellung mehr kriegt, zeigt auf, dass eben auch in Japan eine bestimmte Sensibilitaet gegenüber der Nutzung von Nukleartechnologie besteht.

Erschreckend sind jedoch die folgenden Tatsachen:

Danach erledigen sie die gefährlichsten Arbeiten – und erhalten dafür den geringsten Lohn. Von umgerechnet 3.300 Euro Tageshonorar, die einigen Arbeitern weiter oben in der Pyramide angeboten wurden, können sie nur träumen. Sie müssen sich für die Aufenthalte in hochradioaktiv verstrahlter Umgebung mit einem Tageslohn zwischen 10.000 und 15.000 Yen begnügen, umgerechnet 80 bis 120 Euro. Ein Durchschnittsjapaner verdient im Monat 291.000 Yen (knapp 2.400 Euro).

Einige sind auf das Geld so angewiesen, dass sie vor dem Einsatz ihr Dosimeter absichtlich im J-Village zurücklassen, um die Austauschgrenze von 100 Millisievert später zu erreichen und so länger beschäftigt zu werden. Von Gesundheitsgefahren sei in ihren Arbeitsverträgen keine Rede, erzählte einer der Tagelöhner demFriday-Reporter.  Die ganze Reportage aus der taz

Das grosse Heer der Menschen, welche direkt an den Meilern arbeiten, sind also solche Leute. Sie werden von den Technikern aus sicherer Entfernung angeleitet und müssen diese Vorstellungen dann umsetzen. Eine andere Wahl haben sie nicht. Wir sollten also die Geschichte der „Helden von Fujushima“ umschreiben.

Nachtrag. Wer den Artikel der taz aufmerksam gelesen hat weiss also auch, dass dieses Pribzip in Europa genauso gehandhabt wird. Es gibt einen Unterschied. Der Prozentsatz dieser Leiharbeiter soll tiefer sein.

Unter solchen Voraussetzungen von „sauberer Energie“ etc. zu schwatzen, ist mehr als fragwürdig. Es sei denn, man sagt gleichzeitig:“Es muss eben so sein, dass weltweit einige hunderttausend Leute unter hohen gesundheitlichen Risiken diese Drecksarbeit verrichten, damit wir andern saubere Energie aus der Steckdose kriegen.“

Fukushima: Stufe 7


Hierzu die öffentliche Erklaerung:

Vertreter der Atomsicherheitsbehörde erklärten auf einer Pressekonferenz, die Menge an Radioaktivität, die aus den Reaktoren der Atomanlage freigesetzt worden sei, entspreche in etwa zehn Prozent der freigesetzten Radioaktivität aus dem 1986 in der Ukraine havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl. Die Einstufung des Unglücks sei vorläufig, betonte der Vertreter. Eine endgültige Klassifizierung werde später eine Expertenkommission vornehmen. Quelle

Vorläufige Bewertung

Es handele sich um eine vorläufige Einordnung, betonte ein Sprecher der Atomaufsicht. Die endgültige Bewertung müsse die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien vornehmen. Ein mit Stufe 7 eingeordneter Vorfall bezeichnet einen katastrophalen Unfall mit schwersten Auswirkungen auf Menschen und Umwelt.

Schau an! Nun hinkte die japanische Atomkommission waehrend Wochen hinter den Realitaeten her und prellt nun mit einer glatten 7 vor, aber nur provisiorisch.. Die definitive Beurteilung überlaesst man der İAEA, welche in ihren Satzungen keinen direkten nationalen Einfluss ausüben kann, nicht einmal berechtigt ist, einen nationalen Untersuchungsbericht zu veröffentlichen, wenn es die nationale Behörde nicht will….

Wieviel Müll ist mit dieser Rechtskonstruktion in den letzten 30 Jahren schon unter den Tisch gewischt worden ?

Ist doch eine schöne Welt, in welcher wir leben dürfen…

 

Fukushima: Fahrt in die Sperrzone


Für alle, welche der Meinung sind, in Fukushima sei alles im Griff. Man beachte die Tatsache, dass im aeusseren Bereich der 20-Kilometer-Zone sehr hohe Werte gemessen werden.

Zugleich wird auch hier eindrücklich gezeigt, mit welcher Wucht der Tsunami Gebiete verwüstet hat.