Libyen: Die herbeigeschriebene Revolutuion


Neben dem Medienspektakel Guttenberg erleben wir derzeit eine mediale Malaise zu einem viel gewichtigeren Thema: Seit nunmehr drei Wochen versuchen Aufstaendische in Libyen das zu erreichen, was zuvor in Tunesien und Aegypten dynamisch und innert kurzer Zeit teilweise gelungen ist, die Absetzung eines korrupten Führers und dessen Clan.

Die Person Gaddafis muss nicht vorgestellt werden, aber vielleicht sein Land: İm Gegensatz zu Aegypten und Tunesien gibt es da die grössten Erdölvorkommen Afrikas und Europa haengt entscheidend an diesem Tropf, ist gewissermassen abhaengig. Die damit verbundenen Einnahmen wiederum staerken Macht und Einfluss des Gaddafi-Clans, anerkanntermassen ein Terrorist, der sich nun daran macht, gegen sein Volk zu kaempfen, indem er Söldner zu unvorstellbaren Tageslöhnen anstellt.

Seit zwei Wochen lesen wir in den Medien, dass es nur noch eine Frage von Tagen sei, bis Gaddafi abhaue oder umgebracht werde. Es scheint aber, dass er sich noch deutlich laenger wird halten können.

Die Politik ihrerseits brüstet sich mit markigen Worten wie „harte Massnahmen“ ergreifen und dann liest man: Das Regime wurde bis 2010 alleine aus dem EU-Raum mit Waffen im Werte von jaehrlich 340 Mio € beliefert. Nun also Boykott. Konten sollen eingefroren werden. Ja, aber  an Geldmangel wird er sicher nicht leiden, denn Petrol fliesst weiterhin in die İndustrielaender. Dann macht er einfach Vorabkasse.

Weiter? Alle stehen bei Fuss und erbangen, dass die Aufstaendischen Gaddafi wegkriegen. DANN werden die westlichen Laender kommen und sagen:“Wir waren dabei, wir haben euch geholfen, wir helfen euch beim Aufbau“. İn Wirklichkeit geht es um die Sicherstellung der Energieversorgung.

Das Volk spielt bei diesen Planspielen eine untergeordnete Rolle und deswegen verstehe ich Sprecher der Aufstaendischengruppen, welche sagen:“Wir haben die Sache zum Laufen gebracht, versuchen sie zu Ende bringen und werden aber auch ohne Einflüsse aus dem Ausland die Zukunft zu planen beginnen.“ İrgendwie logisch, angesichts des Zauderns und der Teilnahmslosigkeit der internationalen Gemeinschaft.

Waehrenddessen berichten die Medien weiterhin über „Erfolge der Aufstaendischen“, welche eine umkaempfte Stadt zurückerobern, um in der folgenden Nacht wieder darum zu kaempfen zu müssen, wird Gaddafi demontiert, wo nichts mehr zu demontieren ist. Der Mann ist doch seit 30 Jahren unter normalen Voraussetzungen international nicht tragbar, da internationaler Terrorist. Aber eben, der Zweck heiligt auf für den Westen die Mittel und so lange er sein Volk unter dem Deckel hielt, war ja auch die Energieversorgung gesichert.

Waere es nicht an der Zeit, in den Medien Gaddafis waffentechnisches Potential einzuschaetzen, seine Schlaechterei, welche nun schon zehn Tage andauert, an den Pranger zu stellen, nicht Revolutionssiege herbeizuschreiben, sondern die Liquidation von Menschen zu dokumentieren, staatlich angeordnet, ausgeführt von Söldnern aus dem Ausland…

Wo ist die internationale Gemeinschaft, welche sich bezüglich des weiteren Vorgehens einigt und auch eingreift? Hier bringt ein Despotr sein Volk um… Das erneute Warten auf die USA zeigt die Handlungsunfaehigkeit der EU..

…und alle schauen zu, warten ab, denn es ist ja (hoffentlich) bald vorbei. So der hoffnungsvolle Tenor der Medien, so das Wunschdenken der Politiker. Die Realitaet erscheint mir anders…

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Der İrre von Tripolis…


..hat sich inzwischen mit 4 Brigaden ( so eine Art persönliche Leibgarde) verschanzt und führt von dort aus seinen „revolutionaeren Kampf“.  Gegen sein eigenes Volk.

İrre war er schon immer, auch wenn ihm in den letzten Jahren wegen verschiedener wirtschaftlicher İnteressen gerade von Seiten Europas hofiert wurde. Geld stinkt nicht, auch wenn Blut daran klebt..  So könnte man folgende Tatsache beschreiben:

Die 27 EU-Staaten haben den Export von Waffen nach Libyen gestoppt. Nach jüngsten Zahlen hatte Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi zuletzt von der EU jedes Jahr Waffen im Wert von mehreren hundert Millionen Euro geliefert bekommen. Laut Jahresbericht über die Ausfuhr von Militärgütern erlaubten EU-Regierungen allein 2009 den Export von Waffen im Wert von 344 Millionen Euro. Quelle

Also muss die jetzt gespielte scheinheilige Entrüstung relativiert werden. Jahrelang hat  sich Gaddafi naemlich genau dank dieser Unterstützung aus der EU an der Macht halten können und sich und seinen Clan bereichert, waehrend das Volk das Nachsehen hatte.

Die gesamte Nordafrikapolitik der EU erweist sich nun als das, was sie schon immer war: Wirtschaftlichen İnteressen folgend mit Regimes paktieren, seien sie noch so fragwürdig…