Hebeln (2): Zuerst Rettung der Banken, dann Griechenland


Vor noch nicht mal 2 Monaten hat der IWF bei den europäischen Banken eine Unterfinanzierung von rund 200 Mia € ausgemacht und die Schliessung dieser Lücke angemahnt. Folge waren damals harsche Widersprüchen aus dem Bankensektor und der Vorwurf der Politik, hier würde Panikmache betrieben.

Heute zeigt sich, dass diese Mahnung offensichtlich berechtigt war. Die Finanzminister, im Sitzungsstress zwecks Lösung der EU-Schuldenprobleme, vor allem Griechenlands, kommen nämlich nicht darum herum, sich zuerst mal mit den europäischen Banken zu befassen. Dies vor dem Hintergrund eines möglichen Schuldenschnittes in Griechenland, welcher diverse europäische Banken in ihrer Existenz gefährden könnte.

Diplomatisch ausgedrückt:“Die Banken in Europa sollen zur Rettung Griechenlands einen erklecklichen Beitrag leisten – und zugleich notfalls mit Steuerzahlergeld ausstaffiert werden, um diesen Schuldenschnitt verkraften zu können.“ Quelle

Im Klartext: Mit einer skandalösen Eigenkapitaldeckung laborieren die Banken weltweit in der Gegend herum und zwar mit Bilanzsummen in Billionenhöhe. Wenn dann irgendwo was schief läuft, können sie sich darauf verlassen, dass der Staat die notwendigen Voraussetzungen schaffen wird, dass die Bude nicht pleite geht.

Wer ein Haus kaufen will, muss mindestens 20% Eigenkapital einbringen, ansonsten ist nichts mit Bankkrediten, obwohl die zu kaufende Immobilie an sich den Kreditwert ja abdeckt, oder zahlt jemand für Häuser Beträge, welche weit über dem eigentlichen Wert der Immobilie liegen? Nein. Es sind ja wieder Bankschätzungen, welche genau denselben bestimmen. Aber eben, ohne mindestens 20% Eigenmittel geht da gar nichts.

Nun müsste man ja meinen, dieselben Regeln würden für diejenigen, welche derartige Auflagen machen, selbst gelten. Weit gefehlt! Mit 4% Eigenkapital balancieren die Herrschaften dauernd am Abgrund und Forderungen nach 5% bis in 5 oder 6 Jahren wurde von den Oberbankern bisher einstimmig eine Abfuhr erteilt. Dabei sind vor allem Banken aus Skandinavien schon längst mit 9% eigenkapitalisiert und seltsamerweise hört man da  kein Gemurre, aber auch keine Krisengerüchte.

Jetzt sollen es also 9% für alle werden, meinen die Politiker. Die Mittel könnten auf dem freien Markt beschafft werden. Ich bin kein Finanzexperte, nur: Was ich nicht habe und mir auf dem freien Markt beschaffe, sind ja letztlich Schulden.. Was ich als Eigenmittel ausweise, aber letztlich andernorts verpfändet oder belehnt habe, darf ich nicht mehr als Eigenmittel aufführen, ansonsten nennt man dies üblicherweise Bilanzfälschung.

Natürlich wehren sich die Banken, denn diese Gelder dürften schwer aufzutreiben sein und sind nicht gratis. Wehe, die Gelder lassen sich nicht finden. Somit wäre ja die Bonität der Bank in Frage gestellt, die Aktienwerte (und somit das Eigenkapital) würden wegbrechen usw. usw. Dieses Geschäftsmodell kann nicht seriös sein, was die letzten drei Jahre unmissverständlich gezeigt haben.

Es muss  zu denken geben, wenn Griechenland mit einer Totalverschuldung von rund 300 Mia € durch einen allfälligen 50% Schuldenschnitt verschiedenste europäische Banken in den Ruin treiben könnte und der allenfalls durch den Staat zu leistende Einschuss in die Banken rund 100 Mia  betragen soll.

Wenn ich nun das Beispiel in meinen vorangegangenen Beitrag betrachte, bedarf dieses einer Erweiterung: „Meine 100% werden offiziell mit 20% versichert, schliesslich will man ja nicht den Teufel an die Wand malen. Zwischen uns Beiden wurde aber noch ein Zusatzabkommen geschlossen: Sollte der schlimmste Fall eintreten, wird mein entstandener Verlust neben den bereits garantierten 20% mit weiteren 40% Barmitteleinschuss aus einem andern Topf gehebelt..“, so lautete der Handel.

Ergänzung: „Die 40% hat mein Freund als Vorabzahlung sofort bei mir einzuzahlen.., dann werde  ich aktiv…“ Haha! Somit kriege ich Spielgeld, mein Risiko an den 100% beträgt bei Misserfolg lediglich noch 40%, im Erfolgsfalle kassiere ich 100%. Das sind Geschäfte, welche ich liebe…

Genau das passiert im Moment… Aber mal ehrlich: Kennst du in deinem Bekanntenkreis einen Blödmann, der sich auf so einen Handel einlässt?

Ich meine, das alles ist kurzfristig gedacht und könnte schon bald durch eine neue Krise abgelöst werden. Dazu die folgende Grafik:

So Freunde: Wie werden wohl die beiden Schweizer Grossbanken mit einem allfälligen 50% Schuldenerlass, also rund 32 Mia € Verlust umgehen??…. Autsch!

Deutschland: Rente reicht nicht mehr zum Leben


Heute habe ich in der Zeit folgenden Beitrag gefunden. Daraus ein Auszug:

Die Zahl von Rentnern in Deutschland, die zusätzlich zu ihrer Rente auf Geld aus Nebenjobs angewiesen sind oder staatliche Grundsicherung beantragen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Wie die Saarbrücker Zeitung berichtet, gingen 2010 rund 660.000 Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren einer geringfügigen Beschäftigung oder einem Minijob nach. Dies seien 244.000 mehr als im Jahr 2000, was einem Anstieg um 58,6 Prozent entspreche. 400.000 über 65-Jährige beantragten und erhielten laut dem Bericht im Jahr 2009 die staatliche Grundsicherung im Alter, 2003 waren es 258.000.

Das ist irgendwie erstaunlich, denn: Der Grossteil dieser Rentner hat die Zeit der Vollbeschäftigung noch miterlebt und hat Sozialversicherungsbeiträge direkt vom Lohn abgezogen gekriegt. Wenn man jetzt bescheidene 400 € rechnet (200 € Arbeitnehmer, 200€ Arbeitgeber), so ergibt das bei einer Lebensarbeitsdauer von 40 Jahren den stolzen Betrag von 168 000 € einbezahltes Geld pro Arbeitgeber. Mit der Zinseszinsrechnung darf dieser Betrag locker verdoppelt werden, also rund 350 000 €. Damit könnte er monatlich bis zum Alter von 85 Jahren 1500 € Rente beziehen.

Natürlich weiss ich, dass die Realität anders ausschaut, dass meine einbezahlten Beiträge direkt an die Rentner fliessen. Sozialwerk nennt sich das. Nur: Mit dem von den heutigen Rentnern einbezahlten Geld wurden jahrelang gewinnträchtige Milliardenspekulationen, sprich Geldanlagen getätigt. Ging dann etwas schief, gab es Wertberichtigungen.  Betriebe konnten die firmeneigene Rentenkassen als Wert für neue Kredite andienen und ging die Firma in die Luft, waren auch die Renten nicht mehr sicher. Unglaubliche Dinge mussten wir in dieser Beziehung in den letzten 30 Jahren in Deutschland und der Schweiz  erleben.

Jetzt, wo die Alterspyramide sich verschiebt, erkennen diejenigen, welche den heutigen Lebensstandard mit ihrem Lohn, ihren Versicherungsbeiträgen und ihrem Privatkonsum erst ermöglicht haben, dass ihre vermeintlich sichere Altersversorgung teilweise die Lebenshaltungskosten nicht mehr deckt, ihre Kaufkraft im Vergleich zu den Renten 1976 um über 11% gesunken ist.

Nachdem nun gesamthaft mehrere tausend Milliarden € zur Rettung der Weltwirtschaft 2008 und nun zur Rettung des € in der Gegend rumgeschleudert wurden, müsste mit einigen hundert Milliarden doch eine vollständige Neuorganisation des Rentenwesens zu bewerkstelligen sein…. Ich meine ja nur so als Dimension…

Der Ansatz: Diese riesigen ruhenden Geldmengen werden den Anlagefonds der Versicherungs- und Finanzkonzernen entzogen, indem gesetzliche Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge auf einem nicht auflösbaren Sperrkonto des Beitragszahlers angelegt werden. Die Anlageform ist konventionell und vom Gesetzgeber bestimmt. Daneben bestehen weiterhin die Zusatzrentenversicherungen, welche der Arbeitnehmer abschliessen kann. Die Grunddeckung erfolgt jedoch neu auf ein persönliches Sperrkonto und wird auch entsprechend für diesen Arbeitnehmer und dessen Familie verwendet.

Damit ist dieses Geld der Spekulation entzogen, sind tausende von Verwaltungsräten solcher Rentenversicherungskassen ihren hochdotierten Job los und sinkt der so genannte Verwaltungsaufwand auf praktisch Null. Dies alles zum Vorteil des Versicherten, würde ich meinen.

Schweiz: Nationalfeiertag und Schweizerpsalm


1. August, Nationalfeiertag und überall wird sie wieder gesungen werden, unsere Nationalhymne. Damit dies auch klappt, kriegt man meistens Handzettel, um das alles abzulesen…Hunderttausendfach… Kostprobe:

Trittst im Morgenrot daher,
Seh’ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
Mehr gefällig? Bitte, hier.

.. wenn das jeweils in allen 4 Strophen durch ist, atmen alle auf. Wieder mal geschafft…und jetzt zum gemütlichen Teil.

Nur so am Rande:  Im Jahre 2009 lebten 1,68 Millionen Ausländer ständig in der Schweiz, das entspricht 21,6 Prozent der Wohnbevölkerung.

Noch etwas genauer aufgeschlüsselt :

Ach ja, vielleicht noch ein Wort zu den Religionen, Angaben des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahre 2000. 

Sie alle stehen dann auf den verschiedenen Bundesplätzen und singen gemeinsam die Nationalhymne, lesen den Text vom Blatt, irgendwas von „fromme Seele ahnt“ und „Gott im hehren Vaterland“.

Ja, der Text ist religiös geprägt, 1842 entstanden, von  einem Mönch auf einen Kirchenpsalm vertont und  ist ein Ausdruck des Zeitgeistes von damals. Nach einer beinahe hundert Jahre dauernden Streiterei beschloss der Bundesrat, den Schweizerpsalm als offizielle Nationalhymne zu verankern. Das war das symbolträchtige Datum 1. April 1981 (in Worten neunzehnhunderteinundachtzig). Also kein Tippfehler. Ein weiteres Zeugnis von Zeitgeist.

Wer glaubt, die Schweiz übe sich in Konservatismus sei hiermit eines besseren belehrt: Gibt es ein treffenderes Beispiel für die wirkliche Entwicklung der Schweiz, als den am 1. August gesungenen Schweizerpsalm im Kontrast zu den Menschen , welche an diesem Anlass teilnehmen und sich mit eben diesem Psalm abmühen.

Hurra!! Sie bewegt sich ja, nur haben es einige noch nicht bemerkt…

..und weil es so schön ist, zum Mitsummen.. (und wer mag, darf nochmals lesen, wie man 1842 zum Thema Schweiz dachte…und wer mag darf üben…):

Aus der Ferne herzliche Grüsse in die Schweiz. Feiert schön. Sicherlich werde ich an diesem Tage den Geschmack einer leckeren Bratwurst vermissen. Esst also eine mehr für mich.

Tradition und Moderne ohne Worte, aber international verstanden und mit Begeisterung aufgenommen. Auch das ist Schweiz. Gott sei Dank !

Schweiz: Ausschaffungsinitiative wird Mehrheit finden.


Die heiss diskutierte Ausschaffungsinitiative der Schweizerischen Volkspartei gelangte heute vor das Volk, sprich, zur Abstimmung.

İm Volke wird dieses Begehren nach ersten Hochrechnungen mit 53% unterstützt. Die Frage wird nun sein, ob auch genügend Kantone dieser Meinung sind, ansonsten scheitert die İnitiative am so genannten Staendemehr. Doch auch dieses wird nach neuesten Hochrechnungen klar erreicht werden. Bisher stimmten nur zwei Westschweizer Kantone dagegen.

Was beantragt die İnitiative?

Die SVP-Initiative fordert eine automatische Ausschaffung bei einer Reihe schwerer Delikte. Ausgeschafft werden soll, wer wegen folgender Straftaten rechtskräftig verurteilt worden ist: vorsätzliche Tötung, Vergewaltigung, ein anderes schweres Sexualdelikt, Raub, Menschenhandel, Drogenhandel, Einbruch oder Sozialhilfe-Missbrauch. Dem Gesetzgeber räumt die Initiative zudem ein, die Liste der Tatbestände zu ergänzen. Ausgewiesene Ausländer würden mit einem Einreiseverbot von fünf bis 15 Jahren belegt, im Wiederholungsfall von 20 Jahren.

Schweiz Gotthard: Der Durchbruch


Video

Nun ist es also geschafft. Die erste der beiden Röhren der weltweit laengsten unterirdischen Verkehrsachsen wurde heute nachmittag nach 9-jaehriger Bauzeit durchgebrochen.  Ein Meilenstein nicht nur für die Schweizer Verkehrspolitik, sondern für alle Laender, welche auf Nord-Süd-Verkehr angewiesen sind. 57 Kilometer Gotthard Basistunnel Ausbruch sind geschafft.

So erstaunt es etwas, dass keine Vertreter der EU an der Feier zu diesem historischen Durchstich teilgenommen haben. Wer weiss, vielleicht schaffen sie es bis 2017. Dann soll der erste Güterzug durch den Tunnel rollen.

Vielleicht mag es einige Leserinnen und Leser interessieren, dass der Entscheid zum Bau des Basistunnels durch das Schweizer Volk herangeführt wurde. Dies gleich zweimal, denn es wurde zwischendurch ein Volksbegehren eingereicht, wonach der sich in Bau befindliche Eisenbahntunnel in einen Strassentunnel umgewandelt werden sollte. Diesem Ansinnen widersprach das Volk erneut und setzte auf den Schienenverkehr.

Der Stundenklau


Heute nacht ist es wieder passiert. Eine Stunde wird unterschlagen und  man sagt uns, es sei eine Stunde spaeter, als eigentlich vorgesehen. Wir übernehmen das, korrigieren die Uhren und willigen so in diesen Stundenklau ein.

Als ich noch in der Schweiz lebte, war dies bei mir mit einer mehrtaegigen Verstimmung verbunden. Da hatte ich mich gerade daran gewöhnt, dass ich mit der Sonne aufstehen konnte und nun war wieder dunkle Nacht, selbt als ich das Haus verliess. Alles in mir rebellierte.

Schlimmer der Mittag. Der Hunger wollte und wollte sich nicht einstellen. Da jedoch nach Stundenplan gearbeitet wurde, war es nun so, dass nach alter Zeitrechnung um 11 Uhr das Mittagessen auf dem Programm stand und wer dann nicht ass, der konnte warten bis gegen 16 Uhr…

Nach etwa einer Woche hat sich diese Unbehagen dann aufgelöst, widerwillig hat mein İnneres zugestimmt. Natürlich: İm Gegenzug war es abends laenger hell, doch empfand ich dies eher als Klau einer Stunde verdienten Schlafes..

Mit dem Menschen kann man das ja alles machen. Stell dir vor, in der Produktion würde einfach eine Stunde ausgelassen. Das was zwischen zwei Uhr und drei Uhr nachts üblicherweise produziert wurde, liesse man einfach weg.. .. Ein halbes Jahr spaeter wirft man diese Produktionssıunde wieder hinterher…  Boaaah, schönes Ghetto, würde ich sagen.

Vorbei ist das Gejammere, seit ich in der Türkei lebe. Hier erwarten wir die Sommerzeit geradezu, denn die Zeitverschiebung zu Europa mit 1 Stunde ist etwas knapp bemessen und so war letzte Woche bereits um 06:05 Sonnenaufgang aus dem Meer… Dafür war es kurz vor 18 Uhr schon wieder dunkel. Hier kommt dieser Stundenhupfer allen sehr gelegen…

Nicht reif für die Schule


Ein interessanter Beitrag aus dem tagesspiegel:

Sie können keinen Stift halten, sich nur mühsam ausdrücken und sitzen vor dem Fernseher – viele Grundschüler können auch nicht sicher rennen oder klettern. Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres bezahlten die Krankenkassen in Berlin deshalb rund 19 000 Ergotherapien und mehr als 17 000 Sprachtherapien – das sollen doppelt so viele sein wie 2005.

Auch bei Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) und in der Senatsgesundheitsverwaltung weiß man um die Defizite. „Die Sprachförderung wurde in den vergangenen Jahren extra ausgeweitet“, heißt es bei Zöllner. Der Verband der Berliner Kinderärzte schätzt, dass bereits jedes vierte Kind zwischen zwei und sechs Jahren eine logopädische oder ergotherapeutische Behandlung verordnet bekommt, damit es überhaupt in der Schule bestehen kann. Quelle

Somit stellen sich zwei Fragen:

1. Wird mit diesem Text nicht mehr und nicht weniger als eklatante Verwahrlosung von Kindern durch ihre Eltern beschrieben?

2. Wer wird mittelfristig zustaendig für die Erziehung nd Förderung von Kindern? Offensichtlich faellt diese Arbeit naemlich immer mehr dem Staate zu.